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Das Schwarze Wien - Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
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Der Städtebau im schwarzen Wien | 55 angedacht, zur alleinigen Beschäftigung der Wiener Architektenschaft benutzt, sondern hatten ihren Platz in der Entwicklung eines städtebaulichen Gesamtkonzeptes. In dikta- torischen Systemen wie Italien, Deutschland und der Sowjetunion dienten die Wettbewerbe beispielsweise der Klärung der zukünftigen städtebaulichen Form.56 Damit sollte auch in Wien der Weg der städtebaulichen Planungsentwicklung des faschistischen Italien beschrit- ten werden. Dort konnte sich erst über Diskurse in den Architekturmedien und über Planungswettbewerbe der anfänglich auf räumlich isolierte Gebiete konzentrierte Stadt- umbau 1931 zu einem städtebaulichen Generalplan ausweiten.57 Das ideologische Stadt-Raum-Konzept von Egon Riss, ausgearbeitet 1932,58 propagierte technische Lösungen, die dazu genutzt werden sollten, das Leben des Individuums zu vereinfachen.59 Dabei sollte eine intensive, sogenannte organische Raumerweiterung als Aufwertung der räumlichen Ausnutzung des Stadtgebietes dienen.60 Ziel war einerseits die Trennung zwischen Wohnen und Arbeit innerhalb einer aufgelockerten Einzelhaus- bebauung61 sowie deren gleichzeitige Durchsetzung mit Kulturinstitutionen,62 aber auch eine der stetigen Technisierung angemessene verkehrsgerechte Stadt.63 Dies sollte durch den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und die gleichzeitige Verbreiterung von Gehsteigen, die mittels alleeartiger Baumreihen von den Straßen räumlich und lärmtechnisch getrennt sein sollten, bewerkstelligt werden.64 Oskar Sitte dachte 1935 in seiner Dissertation zu Problemen des Städtebaus die Zusammenführung der wirtschaftlichen Modelle des Roten Wien und des privatwirt- schaftlichen Wohnungsmarktes an. Dabei kam der gemeinnützigen Idee von Bauspar- kassen und Baugenossenschaften, von ihm als „privatsozialistische (gemeinnützige) Wirtschaft“65 tituliert, besondere Bedeutung zu. Damit sollte das Mittel gefunden sein, eine wirtschaftliche und auch soziale Verwaltung von modernen Kleinstwohnungen zu gewährleisten.66 Neben dem Ausbau verschiedenster Siedlungsformen sprach er sich für die Instand- haltung von Verwaltungs-, Bildungs- und Kulturinstituten des Stadtkerns aus. Die gleich- zeitige Sanierung baufälliger Häuserviertel der Altstadt im Sinne des Denkmalschutzes sollte, überwacht von Rahmenplänen des Bezirksbauamtes, der Privatwirtschaft überlassen werden. Sitte forderte die Herabsetzung der Bebauungshöhe für Neubauten, um im Stadt- 56 Bodenschatz, Diktatur, in: Czech, Doll (Hg.), Propaganda, Ausstellungskatalog, 2007, S. 60. 57 Bodenschatz (Hg.), Mussolini, 2011, S. 428. 58 Das Konzept wurde von Riss schon 1932 geschrieben, aber erst 1936 veröffentlicht. 59 Egon Riss, Raumveredelung – Die neue Stadt, Wien, 1936, S. 36–39. 60 Ebd., 1936, S. 19–22. 61 Er richtete sich damit direkt gegen das Konzept der Werkssiedlung. 62 Ebd., S. 31–34. 63 Ebd., S. 27. 64 Ebd., S. 14 f. 65 Sitte, Werdendes Wien, 1935, Dissertation, S. 25. 66 Ebd., S. 32–34.
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Das Schwarze Wien Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Titel
Das Schwarze Wien
Untertitel
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Autor
Andreas Suttner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien - Köln - Weimar
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20292-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
296
Kategorien
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