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Das Schwarze Wien - Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
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158 | Wien im Ständestaat Schlafzimmer und ein kleineres Kabinett.679 Die Häuser waren damit für damalige Ver- hältnisse sehr modern ausgestattet.680 Fünf der von André Roder ausgeführten Hauszeichen sind noch an den Häusern in der Weitmosergasse erhalten. Sie dienten der Individualisierung der baugleichen Haustypen und hatten durchwegs religiöse Inhalte: am Haus Nr. 3 St. Severin, an der Nr. 15 St. Kl. M. Hof- bauer, am Haus Nr. 25 St. Rupert, St. Josef. D. n. am Haus Nr. 39 und St. Johannes d. T. am Haus Nr. 57. 2.3.3.3 Stil der Wüstenrot-Eigenheim-Plansiedlung Neben Nothäusern für die Arbeitslosen entstanden auch Eigentumshäuser für den Mittelstand. Beispielsweise schrieb die Zentralvereinigung der Architekten Österreichs 1936 einen Wettbewerb für eine Bausparer-Mustersiedlung aus, der vom Bundesministerium für Handel und Verkehr unterstützt wurde. Ziel war ein einheitliches Aussehen und eine damit einhergehende Normierung der Häuser im Bezug auf Fenstergröße, Türgröße, Situierung, Dachneigung, Dachdeckung und Einfriedung der Objekte. Die Bauoberleitung der im selben Jahr durch die Gemeinschaft der Freunde Wüstenrot am Bierhäuselberg in Wien XIV begonnenen Siedlung übernahm Architekt Alexander Popp.681 Das eigens entworfene Konzept der Eigenheim-Plansiedlung sah eine einheitlich durchgebildete Eigenheimkolonie vor. Für die 26 Bauparzellen waren vier Haustypen682 vorgesehen, die zeitgleich errichtet werden sollten.683 Dieses Bauspar-Eigenheim-Plansiedlungskonzept wurde von Popp, laut Eigenaussage 1937, als nur unter einer starken Staatsautorität verwirklichbar ideologisiert.684 Stilistisch wurde eine Abkehr von internationalen Lösungen des modernen Bauens propagiert. Die „kalte, nüchterne Sachlichkeit“ unterlag bei den Entwürfen „dem anhei- melnden Reiz alter, deutscher Bauten“. Ein Rückgriff auf „eine heimische, traditionelle 679 Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Wohnungs- und Siedlungswesen, 1937, S. 17. 680 Baltzarek, Bundeshauptstadt, in: Verein für Geschichte der Stadt Wien (Hg.), Wiener Geschichtsblätter, 29. Jg., Wien, 1974, Sonderheft 2, S. 80 f. 681 Alexander Popp, Die Musterwohnsiedlung am Bierhäuselberg bei Wien, in: Österreichische Bauzeitung, 1. Jg. Wien, Sep- tember 1936, Nr. 26, S. 318; Norbert Mayr betont, dass widersprüchliche Quellen über die Bauoberleitung Popps exis- tieren. Einerseits soll es eine Beauftragung durch Clemens Holzmeister gegeben haben, andererseits aber den direkten Wunsch der Bausparkasse Wüstenrot, vgl.: Mayr, Mustersiedlung, in: Nierhaus, Orosz (Hg.), Werkbundsiedlung, 2013, Ausstellungskatalog, S. 254. 682 Zum Vergleich: Die Holzhäuser der Stadtrandsiedlungen kosteten rund öS 5.500, die Häuser der Bierhäuselbergsied- lung je nach Größe zwischen öS 22.000 und öS 50.000. Nimmt man den Durchschnittslohn eines Bauarbeiters der Siedlung Wolfersberg von öS 1,13 im Jahre 1936 dazu, kann man leicht die Dimensionen der Kosten ermessen. Der Preis pro m² betrug in der Siedlung Bierhäuselberg alleine öS 4, vgl.: Trübswasser (Hg.): Ergänzungen zur Jubiläums- broschüre, 1990, S. 6. 683 O. Ponholzer, Die Wüstenroter Mustersiedlung in Wien – Siedlungen aus einem Guß, in: Das Wüstenroter Eigenheim, Jg. 1935, Mai, Salzburg, S. 122–125. 684 Der Plansiedlungsgedanke in der Welt, in: Bausparen in Österreich, Jg. 1937, Nr. 3, Salzburg, S. 92. Popp war am 1. Ja- nuar 1934 der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei als illegales Mitglied beigetreten, vgl.: Lackner, Alexan- der Popp, 1991, Ausstellungskatalog, S. 18. Open Access © 2017 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Wien Köln Weimar
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Das Schwarze Wien Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Titel
Das Schwarze Wien
Untertitel
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Autor
Andreas Suttner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien - Köln - Weimar
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20292-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
296
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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