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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
Seite - 174 -
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 174 HERRSCHAFT UND UNTERTAN eingeführt, die sich als Intellektueller im Kreise der Ungebildeten schon sprachlich ab- hebt und von den Bauern dementsprechend auch eine Beachtung der sozialen Distanz einfordert: 1Veichtl. HerrSchul-Maister /möchtdichgernbittenumbwas/ Versprichdirs /diß ichdichsumbsunst thainnit laß/ IchschickeinJahr längermeinBuebmdir ind'Schul/ Undgibauchihmnochmit seinaignenLaihn-Stuhl. 2Schul-Maister. KeinWunder ists /daßschlechtmiteuernBuembgeht/ Weil ebenseinVatternitmehrerversteht/ Wannihr ihnzu lehrnennursovilverstund/ DaßerseinenSchul-Maister irrizenkund. 1,4 Laihn-Stuhl]Lehnstuhl2,4 irrizen]mit ‚ ihr` (2.Pers.Pl.) ansprechen In Anknüpfung und Erweiterung des ersten Teils erfolgt nun die unverständige Schil- derung der Taufzeremonien en détail, die zwei beliebte Muster der alpenländischen Volksliteratur aufgreift: das Bauer-im-Himmel-Motiv und die Anbetung des göttlichen Kinds. Literarisch durchaus geschickt wird hier also der – absolutistischer Repräsenta- tion immer innewohnende – Transzendenz-Immanenz-Abgleich bzw. die Verankerung derweltlichenOrdnungimNuminoseninsKomischeaufgelöst.DiestrukturelleParalle- lität repräsentativen Handelns im säkularen und profanen Bereich wird zur komplexen Pointe, wenn Veichtl die Pracht des hö schen Zeremoniells im Rittersaal der Hofburg und die zufällig beobachteten Taufrituale als Jenseitserfahrung deutet: Er hält Soldaten für die himmlische Heerschar, sieht im päpstlichen Nuntius, der das Sakrament spen- det, den Hl. Nikolaus, identi ziert Ordensritter als die vierzehn Nothelfer, den Chor als singende Engel und die Fanfaren als Ankündigung des Jüngsten Gerichts. Auch das Taufritual („ Der Nicola nämb Ihn / und waschet ihms Kapl / Mir hat recht erbarmet / das arme gut Läpl“ ) und der Ritterschlag („ Er wär auch nit faul / und hauet bräff zu / Ichdencketmirhaimblä:JetzthelfftdäGOtt!Bue“ 10)werdeninlächerlicherVerzerrung geschildert, ehe in der Huldigung des Erbprinzen mit den bekannten alpenländischen Weihnachtstopoi die Engführung von weltlicher und geistlicher Heilsbotschaft auf die Spitzegetriebenwird: 20 Sie thätennacheinanderzumKinddarnachtretten, MitbogenenKnyen/dortgleichsambanbetten; Wannichnitwüst /daßnur istain GOttallein, IchglaubetderPrintzmüstäneuer GOttseyn. 21 Kradgählinghatsang'fangtzurumpeln/undknalln/ AlswärschondemHimmelderBodeneing'fahln; IchhieltmichsovestdarobenandasThürG'schwöll/ Damit ichnitp umpfet inAbgrundderHöll. 10 Ebda., f. 2r.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800