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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 250 LAND- UND STADTLEBEN ImAllgemeinenwirdmundartlichesSprecheninderbairisch-österreichischenLiteratur vor 1800 mit ‚ bäurischem` Sprechen identi ziert. Schon die frühesten Beispiele neh- men ihre Protagonisten aus der Bauernschicht, deren Alltagssorgen und -nöte je nach StandpunktundIntentioneherrealistischoderkarikierendinsBildgesetztwerden.Zu- nächst sind beide Aspekte – Mitgefühl heischende Klage sowie Spott zur Unterhaltung und Disziplinierung – zumeist miteinander verbrämt. Neben die Darstellung klischee- hafter Verhaltensformen der Dörfler wie Raufsucht, Trinkfreudigkeit, Unzivilisiertheit oder Engstirnigkeit tritt schon in den frühen Bauernklagen ein weitgehend ungebro- chenes Lamento über ungerechtfertigte Abgaben, Dienste und Unterdrückung, wie sie inweitenTeilendesalpenländischenGebietszu ndenwaren.Vielesdavonwirddurch- aus wirklichkeitsnah angesprochen, doch gehören scherzhafte Töne und die topische Sehnsucht nach dem sündhaft-lächerlichen Ordo-Bruch noch lange zum Inventar der gängigen Bauernklagen. Erst bei späteren Beispielen ab der Mitte des 18. Jahrhunderts verliert sich der spöttische Duktus – ein Spott, der natürlich in den beliebten Bauern- scheltenverabsolutiertwird,aberselbst imgedichtetenBauernlobhäu gzuvernehmen ist.VielleichtwarendieseLoblieder,diesichwieWiderrufederBauernklagenlesenund Standesstolzsuggerierensollten,gleichfallsgezieltvondenObrigkeitenlanciert,umden Sozialfriedenzuwahren. Positive Aspekte des bodenständigen Lebens in den Bauernlobliedern werden zu- meist im Kontrast zum urbanen Leben vermittelt, dessen Konventionen den grund- legenden Bedürfnissen zuwiderliefen. Zu den Hauptangriffspunkten der dialektalen Stadtpolemiken gehören Neuerungswut und Modetorheiten, Bildungs- und Repräsen- tationszwang, aber auch die grotesken Auswüchse der Affektkontrolle. Das unverbil- dete bäurische Verhalten wird im Kontrast dazu zum Ausdruck der Natürlichkeit und Aufrichtigkeit umgedeutet. Standeslieder für Berufsgruppen, die aus der komischen Abwertung des Fremden (oft auch wieder ironisch gebrochene) identitäre Pro le kon- struieren, sind in der Dialektkunst häu g anzutreffen. Ob auf Binder, Weber, Schneider oder auch Lumpensammler und Fiakerfahrer gemünzt, stehen diese Lieder in ihrem scherzhaften Ton der Typenkomik des Theaters nahe, wo sie denn auch häu g entstan- den, um dann im Volksgesang aufzugehen. Von der Geräuschkulisse des städtischen Alltagslebens ließen sich die beliebten Kaufruf-Quodlibets und ‚ Tändlmarkt`-Musiken inspirieren; Stadtimpressionen vermitteln auch viele Singspiele, Dialogszenen oder die äußerstbeliebten,überBrief ktionvermitteltenStadtsatiren,diedasurbaneVolksleben aus dem naiven Blick eines Landmannes bis zur Kenntlichkeit karikierend nachzeich- nen.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800