Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Historische Aufzeichnungen
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
Seite - 266 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 266 - in Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte

Bild der Seite - 266 -

Bild der Seite - 266 - in Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte

Text der Seite - 266 -

OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 266 LAND- UND STADTLEBEN ibleibbeinBauernundthuminichsgrimma, wannmimeiMenschgernhat, löb imitFreud.24 1,1Baier]Bäuer:Land,ländlichesGebiet1,3Seya/3,1Soya]Säuer:Säuersuppe;ausSauermilch,MehlundEs- sigangerührteMorgensuppederbäuerlichenLandbevölkerung1,4Schobern]Schober:Germspeise1,4Brein] Hirsebrei 1,5 aft] dann, danach 1,7 pfnausen] schnauben, schnaufen, schwer atmen 1,8 rebi] leicht, munter 2,2 wiri] werde ich gametz] gähne 2,3 ranzen] sich rekeln (v.a. nach dem Schlaf) die Glieder strecken und dehnen 2,4 g'sönga] segnen, hier im Sinne von: bekreuzigen 2,7 Trud] weibliches Nachtgespenst 3,1 Groim- suppen]SuppemitGrieben,Grammeln3,4helt]klingt, tönt3,8Menscha]Mädchen4,1 träbi]sehrgeschäftig aua] heraus, (hier): daher 4,2 Heig'n] Heu machen, Heu mähen, wenden und einführen 4,4 Schwitz] im Ori- ginal ‚ Schwiß` 5,3 Tendelbas] Fest für Mägde, Knechte und Tagelöhner, das im Winter nach Beendigung der Drescharbeiten gefeiert wurde (vgl. Kap.6) 5,4 G'schmaiß] Unrat, Ekel Erregendes (?) schmieringa] fettig 5,7 Lesseln] Bräuche zur Zukunftsschau, insbesondere in den Rauhnächten um Weihnachten und Jahres- ende, etwa durch Bleigießen, Schuhwerfen etc. 5,7 Kraisstehn] Brauch zur Zukunftsvorhersage und/oder Geisterbeschwörung, bei dem man zu Weihnachten am Kreuzweg in einem mit einer Rute oder mit Kreide gezeichneten Kreis steht 6,3 grandigi] verdrießliche, mürrische 6,6 dümmeln] ein lautes Geräusch erzeugen, krachen,lärmen6,7umabringä]zutrinken6,8außäzant]hervorblitzt7,1Urla]Urlaub:Abschied7,8däninga] Untertänige8,6 kleckt] reich, langtaus8,7 grimma]bekümmern,ängstlichsorgen Auch hier sind die Vorteile des ruralen Lebens beschränkt auf die Vergnügungen der bäuerlichen, unverheirateten Jugend – ein Kunstgriff, der uns in etlichen anderen, ähn- lichgestaltetenLobliedernimDialektundStandardbegegnet.25 Obligat istdieabschlie- ßende Beteuerung, seinem Stand treu bleiben zu wollen, der katholischen Forderung nachdermodestia,derBescheidenheit folgend. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist am Theater gleichfalls vereinzelt eine Positivierung der Bauern gur zu beobachten, die sich sprachlich in unterschiedlicher Weise manifestiert. Auf Pauersbachs Der redliche Bauer und großmüthige Jud mit sei- nem integren Protagonisten Hannsmichel wurde bereits ebenso hingewiesen wie auf BlimasaufdringlichpatriotischeBauern gureninDasLandobderEnns.BeideAutoren sprechen sich dezidiert dafür aus, die als vorbildlich gezeichneten bäuerlichen Figuren auf der Bühne auch in ihrer Mundart sprechen zu lassen. Im Gegensatz dazu lässt der Münchner Philosoph, Zensor und Illuminat Karl von Eckartshausen (1752– 1803) in Liebrecht und Hörwald oder: So geht's zuweilen auf dem Lande, einem aufklärerisch mo- tivierten Sittenbild gegen die Übergriffe und Gesinnungslosigkeit der Beamtenschaft, gerade die korrupten Reaktionäre in den Amtsstuben, die sich der Modernisierung der Gerichtsbarkeit verweigern und nur ihren eigenen Vorteil suchen, mit deutlich dialek- talenAnklängenreden: Steinern. [...] Die ver uchten Bücher! vor Alters war das Ding alles nicht so. Ein wenig latei- nischg'lernt,dieInstitutionesundPandektendurchg'schaut,s'Corpusjurisrechtr'umg'rissen, undimPraxiprafg'notelt;undg'nugwar's,Hab'ndochbrafeLeut'g'habt. Blatt. Ja! ja!HerrKollega! Itztwillmanallzug'scheidsein.Kommenalleweilmit ihrerPhiloso- phiedaher,undkönnenkeinenSchergenzettelnichtschreiben.UndsomitleidigeHerrngiebts, 24 Drey schöne neue Weltliche Lieder. Zwey Almenlieder. Das Erste: I bin a junger Wildpratschütz, ju ju etc. Das Zweyte: Juhe, wie lusti iß nöt auf der Baier etc. Das Dritte: Die Zeiten Brüder sind nicht mehr etc. Gedruckt indiesemJahr, f. 2r– 3v. 25 Vgl.u.a.daslanglebigeLied‚ DervergniegteBaursknecht`,dasunsinderstandardnahenFassungEsist für- wahr kein bessers Leben bereits um 1700 in einer Flugschrift erstmals begegnet und mit weitaus stärkerer dialektalerMarkierung(vgl. etwa IstmeinAydkayschenersLeben)nocheinJahrhundert späterkursierte.
zurück zum  Buch Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte"
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800