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266 LAND- UND STADTLEBEN
ibleibbeinBauernundthuminichsgrimma,
wannmimeiMenschgernhat, löb imitFreud.24
1,1Baier]Bäuer:Land,ländlichesGebiet1,3Seya/3,1Soya]Säuer:Säuersuppe;ausSauermilch,MehlundEs-
sigangerührteMorgensuppederbäuerlichenLandbevölkerung1,4Schobern]Schober:Germspeise1,4Brein]
Hirsebrei 1,5 aft] dann, danach 1,7 pfnausen] schnauben, schnaufen, schwer atmen 1,8 rebi] leicht, munter
2,2 wiri] werde ich gametz] gähne 2,3 ranzen] sich rekeln (v.a. nach dem Schlaf) die Glieder strecken und
dehnen 2,4 g'sönga] segnen, hier im Sinne von: bekreuzigen 2,7 Trud] weibliches Nachtgespenst 3,1 Groim-
suppen]SuppemitGrieben,Grammeln3,4helt]klingt, tönt3,8Menscha]Mädchen4,1 träbi]sehrgeschäftig
aua] heraus, (hier): daher 4,2 Heig'n] Heu machen, Heu mähen, wenden und einführen 4,4 Schwitz] im Ori-
ginal Schwiß` 5,3 Tendelbas] Fest für Mägde, Knechte und Tagelöhner, das im Winter nach Beendigung der
Drescharbeiten gefeiert wurde (vgl. Kap.6) 5,4 G'schmaiß] Unrat, Ekel Erregendes (?) schmieringa] fettig
5,7 Lesseln] Bräuche zur Zukunftsschau, insbesondere in den Rauhnächten um Weihnachten und Jahres-
ende, etwa durch Bleigießen, Schuhwerfen etc. 5,7 Kraisstehn] Brauch zur Zukunftsvorhersage und/oder
Geisterbeschwörung, bei dem man zu Weihnachten am Kreuzweg in einem mit einer Rute oder mit Kreide
gezeichneten Kreis steht 6,3 grandigi] verdrießliche, mürrische 6,6 dümmeln] ein lautes Geräusch erzeugen,
krachen,lärmen6,7umabringä]zutrinken6,8außäzant]hervorblitzt7,1Urla]Urlaub:Abschied7,8däninga]
Untertänige8,6 kleckt] reich, langtaus8,7 grimma]bekümmern,ängstlichsorgen
Auch hier sind die Vorteile des ruralen Lebens beschränkt auf die Vergnügungen der
bäuerlichen, unverheirateten Jugend ein Kunstgriff, der uns in etlichen anderen, ähn-
lichgestaltetenLobliedernimDialektundStandardbegegnet.25 Obligat istdieabschlie-
ßende Beteuerung, seinem Stand treu bleiben zu wollen, der katholischen Forderung
nachdermodestia,derBescheidenheit folgend.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist am Theater gleichfalls vereinzelt eine
Positivierung der Bauern gur zu beobachten, die sich sprachlich in unterschiedlicher
Weise manifestiert. Auf Pauersbachs Der redliche Bauer und großmüthige Jud mit sei-
nem integren Protagonisten Hannsmichel wurde bereits ebenso hingewiesen wie auf
BlimasaufdringlichpatriotischeBauern gureninDasLandobderEnns.BeideAutoren
sprechen sich dezidiert dafür aus, die als vorbildlich gezeichneten bäuerlichen Figuren
auf der Bühne auch in ihrer Mundart sprechen zu lassen. Im Gegensatz dazu lässt der
Münchner Philosoph, Zensor und Illuminat Karl von Eckartshausen (1752 1803) in
Liebrecht und Hörwald oder: So geht's zuweilen auf dem Lande, einem aufklärerisch mo-
tivierten Sittenbild gegen die Übergriffe und Gesinnungslosigkeit der Beamtenschaft,
gerade die korrupten Reaktionäre in den Amtsstuben, die sich der Modernisierung der
Gerichtsbarkeit verweigern und nur ihren eigenen Vorteil suchen, mit deutlich dialek-
talenAnklängenreden:
Steinern. [...] Die ver uchten Bücher! vor Alters war das Ding alles nicht so. Ein wenig latei-
nischg'lernt,dieInstitutionesundPandektendurchg'schaut,s'Corpusjurisrechtr'umg'rissen,
undimPraxiprafg'notelt;undg'nugwar's,Hab'ndochbrafeLeut'g'habt.
Blatt. Ja! ja!HerrKollega! Itztwillmanallzug'scheidsein.Kommenalleweilmit ihrerPhiloso-
phiedaher,undkönnenkeinenSchergenzettelnichtschreiben.UndsomitleidigeHerrngiebts,
24 Drey schöne neue Weltliche Lieder. Zwey Almenlieder. Das Erste: I bin a junger Wildpratschütz, ju ju etc.
Das Zweyte: Juhe, wie lusti iß nöt auf der Baier etc. Das Dritte: Die Zeiten Brüder sind nicht mehr etc.
Gedruckt indiesemJahr, f. 2r 3v.
25 Vgl.u.a.daslanglebigeLied DervergniegteBaursknecht`,dasunsinderstandardnahenFassungEsist für-
wahr kein bessers Leben bereits um 1700 in einer Flugschrift erstmals begegnet und mit weitaus stärkerer
dialektalerMarkierung(vgl. etwa IstmeinAydkayschenersLeben)nocheinJahrhundert späterkursierte.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Title
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Subtitle
- Eine andere Literaturgeschichte
- Authors
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 652
- Keywords
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen