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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 280 LAND- UND STADTLEBEN rerei hintert hendt ist gstandten] geschehen, zugestoßen ist Mitichä] Mittwoch Zäll] wohl Zell an der Pram Kreschvrschl] Ursula Kresch khat] gehabt Schuelenzen] Lenz Schuh khemä] gekommen homä] haben wir ä säßl] so khröt] geredet Ehat] zunächst frinkhet] Redlichkeit in dendl mährn] während dieses Gesprächs höckhing] wohl Höcking im Innviertel ä halbs brat kat] ein halbes gebracht gehabt: jem. ‚ eines bringen` ist eine Aufforderung, aus dem dargebotenen Krug zu trinken, die man – will man nicht unhöflich sein – mit einemSegenerwidertundannimmtrödlä]redlichbschaidttho]Bescheidgetan:dieEinladungangenommen hoßvostatt]habeessofortgspan]KameradenZemmelBastl]SebastianSemmeloßwönkhnichts löz]eben- sowenigSchlechtesoßIrnit]wieIhrbsargtkat]befürchtetsait] sagtgsengskeinschöllmänit]nimmtesvon keinem Lumpen an keit] ‚ wirft`: annimmt, kümmert lät] ‚ legt`: hängt an oy selbm Zorn tho het] euch selbst erzürnt hätte kert] gehört hon] habe tho kat] getan lät] liegt baidt] beide frinklhä] redlich akhrefediern] latinisierende Verballhornung runder mo] anständiger Mann nä] nden gsteift wiern] ordentlich wehren zeuserwünckhl]zuAußerwinkel (Ortsname) tanzbobm]Tanzbodenakrämbt]abgeräumtäantiwarn]auch missgelaunt, ärgerlich geworden prozn sakh] Schimpfwort (Protz: Kröte) Peaußhafftig] boshaft, wütend dä lein] erleiden tenkhn feistling] linken Faust schadernakh] Winterhut d'Zill] ? (besonders hart, übermäßig?) erm narsch] ihm den Arsch schnaiter] großes Messer zu än lautern hodern] zu einem bloßen Fetzen stat] still d'prozenwerch] die Schererei Peitlpue] Schimpfwort anander ghangen] zusammengeholfen mirg] So- fortkorrektur,wohlzu‚ mi`bleaut]verbläutahibeoust]runtergeworfenglifä]gelaufenmitvrläz'khrödn]mit Verlaub zu sprechen pindenger] Schrei (?) dlot] glatt, direkt öhel] drüben lackhä] Pfütze saufaltä] Schweine- gatterafftn]dann inschuß]sofortdätap]erwischeZueggetnpengl]PrügelmitZackend'wampn]denBauch gschnaun] schnaufen verdleimz] gestöhnt (‚ gleimazen`) d'höpin] die Kröte z'fachtign] voraus, zuvor Eeaur] Ohren ä der mit] in der Mitte d'lät] gelegt d'liefä] gelaufen weaut] ? bei golschn] Fluchwort (?) Z'ggrat] zu hurtig, geschwind ohi peaust] runtergestoßen schergn deperl] Gerichtsbüttel Deperl (Spottwort) zeaucht] zieht in d'halßscheissn] Halseisen, Halsfessel nächstn] kürzlich aufm Semelwastl ghangä] Zum Semmel- Wastl gehalten d'luckhn all verzänt] die Auswege versperrt auf alle pläzn zue d'lät] seinem Geheule Glau- ben geschenkt (?) bauchs bebm] in Bausch und Bogen? ausgleglibt] auseinandergenommen, fertiggemacht keichn] Kerker baid redner vnd da schiedt] sowohl Prozess und Schiedsspruch hanhen] henken vnkheit] unberührt,ungeschoren ääzwen]auchfürzwei hönkh]Honig sötlenleusen] solchen Vielleichtnochälteralsdiese ‚ Bauernklagen` sinddiefrühendialektalenVerarbeitungen des ‚ Bauer inderKirche`-Motivs,woeinsoebenausKircheoderStadtZurückgekehrter einem daheimgebliebenen Konterpart seine einfältigen Eindrücke schildert. Die naiven Ausdeutungen des Gesehenen dienen dabei weniger der Verspottung des ‚ tumben Tors` als der Erheiterung des Publikums, das von der rührenden Unbedarftheit des Sprechers eingenommenwird.Denndieserdeutetsichdas ihmunverständlicheRitual,die liturgi- schen Zeremonien, vor allem aber die musikalischen Einlagen und das Faszinosum der großen Kirchenorgel in den engen Parametern seines Erfahrungshorizonts unterhalt- sam falsch aus. So wird der Taktstock des Regens chori als bedrohliche Waffe oder die karitative Kollekte als Trinkgeld für die erschöpften Sänger verstanden. Manche dieser ‚ Bauerngespräche` sind monologisch gestaltet, doch wird durch die Vergegenwärtigung des lauschenden Gesprächspartners stets das Bild einer dialogischen Szenerie evoziert. Dies erfolgt mit konventionalisierten Floskeln, die das aufmerksame Zuhören einfor- dern,denWahrheitsgehaltbeteuernoderdasBedauern,dassdasGegenübernichtselbst vorOrtwar,äußern. Das früheste erhaltene Beispiel ist Vatter I mueß dir wunder sagn, ein um die Mitte des 17. Jahrhunderts entstandenes Lied, das uns in der Handschrift des Andreas Mayr erstmals vorliegt.48 Da es in der älteren Forschung bereits mehrfach ediert und analy- 48 Eine etwas jüngere Fassung hat sich im vermutlich aus Regensburg stammenden Cod. germ. 5495 der Bayerischen Staatsbibliothek erhalten. Hartmann geht von einer älteren, umfangreicheren Urfassung aus und verweist auf Schmeller, der das Gedicht offenbar nach einer anderen – allerdings nicht eruierbaren –
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800