Seite - 290 - in Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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290 LAND- UND STADTLEBEN
DerPrinz fangetanzuweinenvndt schneitzet ihmeindieHandt.
Crysippus. (Du Flögl du Vngezogener) Ey pfui ihr Durchleücht, buzet man di naßen mit der
Hand,wiedieBauren?
Prinz. mitwemden?mitnerml?
Crysippus. Eynochvillweniger,wieoffthabeichIhnenschonweisßeTüecherdarzueverordnet.
Prinz. aß wär sunst mei gwandt Leicht guet gnug dazue gwesen, waß soll mar a neys schneitz
Tüechlverderben?
Crysippus. (waßeinEinfälltigerhaaberNarr)
Aridenus. Vor allem betaure ich mein Prinz, daß ich dich wider meinen Willen so vill Jahr in
disemverschlosßenemThurngantzverlasßenerhabemüesßensitzen lasßen.
Prinz. Bin idoerstheüt
Crysippus. (still Peterl, rede nichts von dergleichen vndt verschwäze dich nicht, Bernhaüter,
oder )
Prinz. (ißawahr, ivagißmihalt schletalliwall aweni)
Aridenus. WaßredetderPrinzzuEüchCrysippe?
Crysippus. Ihr Majestet, der Prinz verwunderet sich über das Majestätische ansechen seines
HerrnVattern.
Prinz. (wiedaKarl soschö liegnkan)
Crysippus. Ihr Durchleücht, Sie belieben auch etwaß gegen Ihre Majestet dem König zu reden
undihremHerrnVatterneinschönesComplimentzumachen. (nowie?WochenTölppl!)
Prinz. Reden solli mit n Kini? oja, wema no des Wickal nit alliwall a so ins maull henckat vndt
da staub davon in d augen ug afft wolt i scho a wall schmätzen. Vndt vo wem solli reden? Vo
dagstaß
Crysippus. (willst du dein Maull halten Peterl, von dergleichen posßen, du galgen Vogel! daß
dich )
Prinz. (jawenhalt sHertzvoll iß, sogehtoamgoschndauonüba)
Aridenus. AbermeinAmynthas
Prinz. (schowidaranandernnoma, iwoaßdadeixl selbanima,wer ialsbin.)
Aridenus. Spüherst du auch wohl eine heimbliche freüdt in deinem herzen, da dir das Erste
mahldasglückhvergonnet,deinenVatterenzusechen?
Prinz. iwoaßmeioadtselbanit,wiemar iß,meiherr
Crysippus. Ihr Majestet nennet man den König. Nun dan, nennen Ihren herrn Vattern dan
also
Prinz. IhrMajs Majs dreck.66
meioadt]beimeinemEid!maLoadt]mirleidwoana]weinenKini]KönignitaBreßl]keineswegs,überhaupt
nicht koan Zaicha] keine Träne Do walß] doch weil es schlet] bloß, nur Wochen Tölppl] Schimpfwort (etwa:
Volltrottel) Wickal] Perücke (pars pro toto für den Hofmeister) alliwall] immer afft] dann a wall] eine Weile
gstaß]KurzformfürAnastasia (GeliebtedesPeterl) oamgoschn]einemderMund dadeixl]beimTeufel!
Große Teile der ersten Komödie sind den Klamaukszenen gewidmet, in denen der stets
hungrigePeterleinTabudeshö schenVerhaltenskodexnachdemanderenbricht,wäh-
rend Amynthas bei Peterls Eltern, seinen Rettern, Zeuge der Vorbereitungen für den
feierlichen Empfang der albanischen Prinzessin Eurenisse wird. Dem königlichen Hof-
staat soll hier scheint Gryphius' Peter Squenz Pate gestanden zu haben eine lächer-
liche Paürische Comedi vorgespielt werden, mit der das Stück endet. Im verlorenen
zweitenTeil schließlichkannsichAmynthas imGegensatzzumfeigenPeterlalsKriegs-
heldbewähren,sodassdieTäuschungerkanntwird.MitderHochzeitvonEurenisseund
66 ZitiertnachBrenner,AltbairischeSprachprobenI,S.214f.
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Buch Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte"
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Titel
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Untertitel
- Eine andere Literaturgeschichte
- Autoren
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 652
- Schlagwörter
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen