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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 298 LAND- UND STADTLEBEN EinenbesonderenReizhatten‚ rustikale`EinlagenaufdemTheater,wennsieausKinder- mund zu hören waren wie in den um die Jahrhundertmitte reüssierenden professionel- len Kindertheatertruppen. Mit der altersungemäßen Kunstfertigkeit in Spiel, Tanz und Gesang und launig-naiven Imitationen der Erwachsenenwelt wussten die juvenilen En- semblesdaszeitgenössischePublikumzubegeistern. InKurz-BernardonsKinderpanto- mimeArleckin,derglücklichgewordeneBrautigam(1756)etwamit ihrengenretypischen rasendenRollenwechselnverkörpertedieneunjährigeTochterdesAutors,AntoniaKur- zin,dieSoubrettenrolleundkonntesichals ‚ Tyrollerin` (alsoalsWanderhändlerin)„ in4 Caracteren, und 4. lustigen Arien besonders dinstinguiren“ 78, darunter mit dieser Ein- lage: LiebeLeuteschautsmian, Obienkgefallenkan? Bin inetägsteiftesMädl? Soschönrund,alswieäRädl, KurzeFüß,unddickeWädl, FästalswieäschweineBrätl.79 2 enk]euch3 gsteiftes]hübsches,bildsauberes Als ehemaliger Tenorist am Kärntnertortheater und somit Künstlerkollege Kurz-Ber- nardons war auch der Passauer Hofkapellmeister Joseph Friebert (1724– 1799) mit sol- cherlei Arien bestens vertraut. Nicht umsonst ndet sich in seinem Singspiel Das Serail (1778)eineähnlichgestalteteQuodlibetarie,dieKirchenliedincipits,Kindersprücheund Liedeinlagen der Zeit anzitiert und aus dem sprachlichen, thematischen und musikali- schen Kontrast komische Effekte erzielt.80 Vorgetragen wird sie in diesem Repertoire- stück des Kindertruppen-Prinzipals Felix Berner von einer schönen ‚ Sclavinn` aus dem Landl(Oberösterreich),einenurmiterheblicherMüheindasorientalischeSettinginte- grierteFunktionsrolle: OHimmel!oErde!OFeuer,LuftundWasser! Ohät idi,wiewollt idi, ä so,ä so,ä so. MeinVatä istäbravaMann,MeinMutta istä so: OTod!wiebitterbistdunicht, Wannsheißt, jetzt seyzuSterbengericht: Auweh! ichmechtnitdenkädran, I läffät, läffätgleidavan. GuteNachtSchneepepperl, Was thut jetztmeinSepperl? AlleguteDingseynddrey, Undwannspascht, sobleibtsdabey. 78 Eine neue Tragödie, Betitult: Bernardon Die Getreue Prinzeßin Pumphia, Und Hanns-Wurst Der ty- rannische Tartar-Kulikan, Eine Parodie in lächerlichen Versen. Nebst einer Kinder-Pantomime, Betitult: Arleckin/Der glücklich gewordene Bräutigam. Componirt Von Joseph Kurz, Comicus Bernardon. [o.O., 1756],S.51. 79 Ebda., S.55. Beinah dieselben Verse nden sich bereits in der Judenhochzeit (um 1741) aus dem Umfeld vonKurz-Bernardon. 80 Vgl. Christian Neuhuber: I bin halt ä Mädl wie ä Rädl – Anmerkungen zur Figur der ‚ Sclavinn` in Frie- berts Das Serail. In: Matthias Pernerstorfer (Hg.): Das Serail (1778) by Joseph Friebert in historical, socio- politicalandculturalcontexts.Wien:Hollitzer2017. [imDruck].
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800