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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 340 FREMDES UND EIGENES führlich zur Sprache kam). In beiden Fällen wird die literarische Darstellung Fremder als Folie und Gegenbild genutzt, über die das Eigene und damit verbundene Ansprü- cheundWerthaltungenkonturiertwerdenkönnen.Überalldort freilich,woFremdezur Bestärkung des Eigenen dienen, wird tendenziell die Grenze zum Eigenen durchlässig. FremdesindnichtmehrnurGegenbild,sondernkönnenzumTeildesEigenenwerden– das Gemeinsame rückt in den Mittelpunkt. In diesem Zusammenhang spielt die Ver- wendungdialektalerFormeneinezentraleRolle,dieaufverschiedenenEbenenAspekte desEigenenwieAlltag, sozialeNäheoderauchRegionalitätausdrückenkönnen. Nur selten in der sprachlichen Differenzierung, sondern über weit verbreitete Vor- stellungsbilder modelliert sind die in der Dialektliteratur beliebten österreichischen Volksstereotype,diesowohl imabwertendenalsauchimpositivenGebrauchverfestigte GruppenzuweisungendesöffentlichenBewusstseinszumThemahaben.DasFremdeist hierzumeistnureindemEigenennichtunvertrautes,simpli zierendesHerausstellungs- merkmal, das es abgrenzt vom intendierten Zielpublikum. Nur zu oft tendiert freilich die undifferenzierte Übergeneralisierung in der Unterhaltungsliteratur auch zum wer- tenden Vorurteil, das negative affektive Einstellungen bestätigt, so etwa beim dumpfen steirischen ‚ Raufjodel`, beim derben Salzburger Sauschneider oder beim versoffenen oberösterreichischen Mostbauern. Besonders viele Stereotype weist interessanterweise Tirolauf,vomheimatliebendenSchützenüberStraßenhändlerwiedenZillertalerÖlträ- ger oder den ‚ Lemoni-Mann` bis hin zum ‚ witzigen` Naturburschen. Eine reiche Quelle für historische Ressentiments sind die untergrif gen Reisebeschreibungs ktionen, bei denenEthnophaulismendieeinzelnenStationenmarkierenundinderAbwertungande- rer Volksgruppen das eigene Umfeld implizit positiviert wird. Manche ethnonymischen Zuordnungen sind auch heute noch gängig (z.B. der eifersüchtige Italiener, der eitle Franzose), andere inzwischen obsolet (so etwa der ‚ vertürkte` Ungar). Sprachgeschicht- lich besonders interessant sind ‚ makkaronische` Figuren, in deren mündlich angeeig- neter Umgangssprache die Muttersprache durchklingt, wie beim italienischen Tandler, dem kroatischen Soldaten oder dem ungarischen Heubauern. Das Erstaunliche, dass in dieser Literatur Fremde dialektal sprechen, eröffnet einen breiten, disziplinenüber- greifenden Fragenhorizont zum rein mündlichen Spracherwerb, zum Verhältnis von Sprachgebrauch und sozialer Stellung, zur Identitätskonstitution und Selbstinszenie- rung. Nur selten nden sich dagegen explizite Selbstre exionen, in denen die Konsti- tuenten des eigenen Seins – unironisiert – präsentiert werden. Diesen subjektiveren Ton ndenerst spätereDialektautorenwieAntonSchosser,FranzStelzhameroderKarl AdamKaltenbrunner.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800