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400 FREMDES UND EIGENES
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Ihbinhalt schonäso:
Glaubnthue ihwährlänötga leicht,
WennafäwasdäWahrhätgleicht,
Soglaub ihd'Sachschandoh.
Ihbinhalt schonäso. 13
Ihbinhalt schonäso:
Ih frißundtrinkgernöppasguts
BinkreuzwohlaufundgutenMuths
BeimMittelbleib ihdoh.
Ihbinhalt schonäso.
14
Ihbinhalt schonäso:
WasrechtundGott lieb thuihgern
UndthuemihaftumNiemdenschern
'NG'horsamlaist ihdoh,
Ihbinhalt schonäso: 15
Ihbinhalt schonäso:
NötbloßäMensch,äKristdäbey,
Gottund 'nKaisäewi treu.
Waswillmämehräno?
Ihbinundbleibäso!141
1,1 ä so] (verstärktes) so 2,3 ghäßi] gehässig: (hier in ursprünglicher Bedeutung) hassend, feindlich gesinnt
4,3 iehn] ihr7,2härb]böse,zornig11,3 loß]hörezu11,4Kennä]Kennen,das:Wissen,Kenntnisse,Überblick,
Durchblick13,2 öppäs] irgendetwas14,3 aft]dann,also
In der
Gemüth- und Denkensart` des Ich nden sich allgemeine Dispositionen eines
Menschen, der nach dem Maßstab christlicher Tugendvorstellungen sozialisiert wurde.
Da es dem (männlichen) Rezipienten ohne Schwierigkeiten möglich war, sich mit den
Aussagenzuidenti zieren,konntedasLiedüberdenprivatenGebrauchhinausauchin
denVolksgesangeingehen.
Derber,dochmitderselbenintentionalenAusrichtungundtranszendentenAbsiche-
rung(
es löbtnoderaltigott )präsentiertsichein Seelenbild`,dasderKremsmünsterer
KapitularFranzSparryMittedes18.JahrhundertsaufBasiseinerbeliebtenWeihnachts-
liedmelodie vertonte. Auch hier dominiert ein Konservatismus im unerschütterlichen
VertrauenaufeinehöhereGewalt:
1
Solt iwoana,odä lachä?
gfreytmiwarläkoänsgarvill,
I lasßbliz'n, i lasßkrachä,
idenkhaltnuraufmeiZill;
waßsoll imeinKopffvill zreisß'n,
was iwill,dasdenkimir,
mikanngwißkänunglückbeisß'n,
iwaißscho,was isdä r. 2
Sagtsmädo,wassoll i scheich'n,
hoäts!wassollmämachäbang,
mögnmiandröwaißwaszeich'n,
machihaltmei feig'n lang;
idenkmir, laßtsnurd'leuthsag'n,
aufdäwelthatnixänbstand,
lasßtsösbeisß'n, laßtsösnag'n,
binZumleyd'nnoinstand.
3
thuetmischovill arbeithQualln,
denkihalt, äsmuaßschoseyn,
muasßdähundinbeit'lPell'n,
gib imiganzwillidrein;
thät iwoanä, thät'ns lachä,
nadaswärmäoämahlz'schlecht
Imagiendöfreidnitmachä,
magnöt thoän,was ien is recht. 4
wannsmäallmei säch'lnemä,
denkiwohl,großißmeiNoth,
kanßdowidäallsbekemmä,
es löbtnoderaltigott;
meintwögnthoänschoandri sag'n,
dweltmuesßwer'nnag'lneü,
solldonixmeiherzmehrblag'n,
binderaltundbleibdäbey.
141 P.G.Lindemayr,Lieder inoberösterreichischerMundart,S.54 57.
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Buch Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte"
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Titel
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Untertitel
- Eine andere Literaturgeschichte
- Autoren
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 652
- Schlagwörter
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen