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410 BRAUCHTUM UND GESELLIGKEIT
3
mehränKnotten.
undänKnotten
Eyduhäbrer, rupfrerMist,
wandendasDingghächtlt ist?
repet.ziehdi, zährdip. 4
Agn,undgräden
zrissneFäden
bleibtsmirauß, ibrauchengnit
weilsmirsRüpfelnurzerritt.
repet.ziehdi, zährdip.
5
DumeiRocken
bleibstmeinDocken
bistmir liebäalsäMan.
weil idibräf rupfenkan.
repet.ziehdi, zährdip.19
1,1 Rupfen] Rohmaterial (hier Flachs) zum Verspinnen 1,4 kreuzer strick] minderwertiger Strick 1,5 zähr
di] dehn dich zritt di] geht auseinander zräf di] zerrauf dich 1,8 pfaidl] Hemd(chen) 1,9 truzen] hier: stolz
sein 2,1 spiellerl] kleine Spule 2,2 Stühlerl] Trageteil des Spinnrads 2,5 repet.] (lat. repetitur) wird wieder-
holt p.] (lat. perge) usw. 3,3 häbrer] widerspenstiger rupfrer] grob zersauster 3,4 g hächelt] durch die Hechel
(Metallkamm)gezogen,gekämmt4,1Agn,undgräden]AbfallbeimFlachsbrecheln4,4Rüpfel]Diminutivzu
Rupfen zerritt] durcheinanderbringt 5,1 Rocken] Spinnrocken, an dem die unversponnenen Fäden befestigt
sind5,2 Docken]Puppe,Spielzeug
Kontextuell nicht eingebunden ist ein zweites Arbeitslied, das Pambichler möglicher-
weise erst im Zuge der Aufführungsvorbereitungen als wirkungsvollen dramatischen
Auftakt der Handlung hinzugefügt und in der Perioche aufgezeichnet hat. Das drei-
stimmige Lied der Drescher aufn Tenn im Dreivierteltakt, das nun die Reimhäufungen
nochintensiverauskostet, ist einkunstvollesBeispiel,wiediealsArbeitshilfekonzipier-
ten Muster für ein weitaus komplexeres musikalisches Ganzes adaptiert werden.20 Der
WechselderSingstimmen,dievariableRhythmisierung,dieausgefeilteMelodieführung
macheneinentatsächlichenEinsatzbeiderkräfteraubenden,staubigenDrescharbeitäu-
ßerstunwahrscheinlich.AlsVorführkunstzurUnterhaltungundsymbolischenAufwer-
tung bäuerlicher Arbeit freilich war ein solch arti zielles Drescherlied (mit der damals
klostertypischen Begleitung durch zwei Geigen, Viola, Kontrabass und zwei Hörner)
ideal:
1
Auf!
Hebauf!
Schlagnieder,hebauf!
aufeinStreichzweendrauf!
WanTrieschelnsichschwingen,
unds'Ringerldranglanzt;
Wand'Körnerbräf springen,
unds'Ströberl schöntanzt:
daschmuztdirderBaur.
Dawird ihmkeinbucken,keinducken,
keindrucken,kein lucken,keinmucken,
keinschlucken,keinStucken,keinZucken
KeinArbeitnicht saur. 2
Auf!
Hebauf!
Schlagnieder,hebauf!
aufeinStreichzweendrauf!
GehStephel seymunter
bleibnit immerstehn.
Hinaufundhinunter
fein langsammußtgehn.
sonstdreschtnur lährsStroh.
Wansaberbräfdumpert,undgumpert,
undhumpert,undlumpert,undklumpert,
undpumpert,undsumpert,undschlumpert:
Da istderBaur froh.
19 Stiftsarchiv Seitenstetten, Theatralia 33 G (Textheft). Erstmals ediert bei Karl Heinz Huber: Pater Nor-
bertPambichlers
Tendlbaß`.Textwiedergabe,Wort-undSacherklärungsowieInterpretationsversuche. In:
JahrbuchdesWienerGoethe-Vereins97/98(1993/94),S.205 267,hier220f.
20 ZurAnalysedesDrescherliedsvgl.Huber,PaterNorbertPambichlers
Tendlbaß`,S.250.
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Buch Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte"
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Titel
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Untertitel
- Eine andere Literaturgeschichte
- Autoren
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 652
- Schlagwörter
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen