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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 502 KÖRPER UND SINNLICHKEIT Beispiele dieser tabubrechenden Beichtparodien stammt wohl aus der Feder des Ex-Je- suiten Aloys Blumauer. Wie schon bei Der evangelische Bauernjunge in der katholischen KircheundPetrusundMalchusgreift erauchhiervermutlichaufeineältereVorlagezu- rück, die er poetisch überformt und mit Provokationen gegen die Geistlichkeit zuspitzt. Thema ist die Ohrenbeichte eines liederlichen Bauernburschen, der mit Freude am Detail seine sexuellen Abenteuer, seine triebhaften Exzesse, seinen Widerstand gegen Regeln und Autoritäten ganz ohne jede Spur ehrlicher Reue erzählt. Eigentliches Ziel, das wird bald klar, ist nicht die Absolution, sondern die Brüskierung des Priesters, dem durch das Schweigegebot die Hände gebunden sind. Dass Die Beichte auch nach ihrer Erstedition durch Leopold Schmidt50 bislang nicht dem Gesamtwerk des bedeutenden österreichischen Satirikers zugeschrieben wird, kann – abgesehen von der unsicheren Quellenlage – auch angesichts der reihenweisen Tabubrüche nicht verwundern; die äs- thetische Qualität und souveräne Gestaltung aber hebt das Lied ab von ähnlichen im Volksgesangdes19. JahrhundertsaufgezeichnetenSpottbeichten.51 Der erste Teil des Lieds bewegt sich noch in einigermaßen konventionellen Bahnen und erinnert im kaum verhohlenen Stolz des Ich auf das eigene Lotterleben an Sturms Reumüthige Beicht (vgl. Kap.1), setzt aber auch schon erste per de Nadelstiche gegen denBeichtvater: 1 HerrPater!Rechtan'sGadean Mitengri langiOhren Wenn'sösnit seitsderhelf'nkann Sobin iengverloren. 2 SeitOstern is, jetztsgradaJahr dasmußtsvorallenwißen DaßidortdruntenbeimAltar RechtausgmisthanmeinGwißen. 3 Dawar iaKerlnitKren Sosaubergradzumfreßen Jetztbin iaberwiederschön InaltenDreckh'neingseßen. 4 Drumgebt'smirzumeinSeelenheil Jetzz'erstanweng 'nSegen Undnacherwill i 'ngrößtenTheil Amahlaufd'Seiten fegen. 5 Hang'sündigt,wasaMenschnurkan Nixbethnurghurtundtrunken HandenktdiePfaffenscheiß ian Dassandiewahr 'nHallunken. 6 MirhatdenganzenTagnixkränkt Alsd'Menscher,WeinundKarten UndvorderKirnhanidenkt I laßdenLendlwarten. 7 HaninderMeßoftgelachtundg'schwäzt Undd'Menschergrüßtwiea ledi Hangröpaßt,g'hust,undnochaufd'letzt Lautg'farzt inengrerPredi. 8 KanArbathatmianitg'schmeckt Ibin inLahnstullgseßa Hanalli vierivonmirg'streckt Undgarnix thanalsgfreßa.52 50 Vgl. Leopold Schmidt: Ein unbekanntes Mundartgedicht Blumauers. In: Germanisch-Romanische Mo- natsschrift 29 (1941), S.147– 150. Schmidt gibt als Quelle eine aus dem ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhun- dertsstammende,verscholleneHandschriftmitBlumauer-Gedichtenan,dieGustavGugitzeinsah;dessen Abschrift ist auch die Grundlage des edierten Texts. Unsere Edition ist einer anderen Sammelhandschrift entnommenundweichtorthographischundzuweilenauch lexikalischvonderFassungSchmidtsab. 51 Vgl. Emil Karl Blümml: Schottkys Volksliedernachlass. Wien: Ludwig 1912. (Quellen und Forschungen zurdeutschenVolkskundeVII)S.6und60f.AuchdieSprachedesLiedsverweistaufeineweiterwestliche Entstehung,alsesdiebeidenWienerHandschriftenvermuten ließen. 52 Wienbibliothek imRathaus,H.I.N.-55795,Teil2, f. 100v– 101r.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800