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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 528 KÖRPER UND SINNLICHKEIT Odoardo. OdudummesRindvieh!WiesolldennichmitdemHundreden? Kaspar. NaohneSpaß!Es ist einseelenguterMenschderHund; fragensie ihnnur. Odoardo. DieHundsspracheverstehichnicht.AberwiehatdennderChevaliereinsteigenkön- nen? Kaspar. Er ist halt auf's Gatter zu ebner Erd g'stiegen, da hat er sich oben an G'sims ang'halten, undhathinaufkraxelnwollen. Odoardo. Undwashastdenndudabeygemacht? Kaspar. (lacht) Ich? Ich hab's gar fein g'macht. Ich hab g'schrieen, „ He! he! Der Herr kann sich ja zersprageln, oder gar den Hals brechen, wann er so herumkraxelt: Was brauchts denn die Talkereyda?WannderHerrexpressieinsteigenwill, sokannich ihmjaeineLeiterhohlen?“ – Dictumfactum, ichgehher,bring ihmd'Feuerleiter,undda isterganzkommodeing'stiegen. Odoardo. Was!derFranzoshatüberNacht inmeinemHauskampirt? Kaspar. Die Fräula Mitzerl hat ihn ja nicht hineing'lassen, und es ist ja besser, daß einer spien- zelt, alsdaßereinKrüppelwird? Odoardo. Habichdirnichtbefohlen,keinenMenschenin'sHauszu lassen? Kaspar. Siehabeng'sagt;StelldichvordieThür,undlaßmirkeinenMenschenhinein,abervom Fenster haben sie nichts gesagt; das können Sie nicht reden als ein braver Mann: und ich hab allmeinLebtagghört,Fensterlndärfmanabernicht thürln.111 Talkerey]Dummheit expressi]vorsätzlich Dictumfactum] (lat.)gesagt,getan spienzelt] liebäugelt, irtet Mit einer Verkleidungsintrige (der Marquis als Arzt und sein Bedienter Johann als Odoardos Schwester) und Erpressung (die außerehelichen Liebesabsichten der Eltern zuverraten)bekommtdasLiebespaarschließlichdochnochdieErlaubniszurHeirat. Liebesverwirrungen– mitdemgattungstypischglücklichenEnde– sindauchThema des Nachspiels Die Bauren, in dem nach Nachbarschaftsstreitigkeiten, Konkurrenz, Ei- fersucht und Liebeshändel zwei Bauernkinder zueinander nden. Im Eingangsmono- log beklagt Görgel seine leidige Situation: Noch unerhört hegt er den Wunsch, Ur- schel, die Tochter des Nachbarn, zu heiraten, sieht seine Chancen allerdings mehr und mehr schwinden, da ein militant geführter Nachbarschaftskrieg zwischen Urschels Va- ter Jockerl und Görgels Erbonkel Bartel einer Vereinigung im Wege steht. Denn die Opponenten begreifen die Feindschaft weniger als individuelle Causa untereinander, sondern erheben den Zwist gleichsam zur generationenumgreifenden Familienangele- genheit. Zudem gibt es noch den Liebeskonkurrenten Hiesel, der von der geldgierigen alten Intrigantin Aschevettel angestachelt wird, die abweisende Urschel mit Gewalt für sich zu gewinnen; Görgel dagegen, dem Urschel tatsächlich zugetan ist, emp ehlt sie, die Angebetete zu vergessen, da diese ihn nur zum Narren halte, und bringt sich selbst als Braut ins Spiel. Ein Ende gesetzt wird all dem durch einen Urteilsspruch des P e- gers Wilhelm, der Jockerl, Bartel, Hiesel und Aschevettel drakonische Strafen auferlegt und für Görgel und Urschel bestimmt, dass sie vermählt werden sollen. Doch da dem unterhaltsamen Nachspiel ein solch ernsthafter Ton nicht ansteht, besteht die Buße der zänkischenSippeletztenEndesnurimSchrecken,mitdemsiedavonkommen.Dennals auch das jungvereinte Paar sich für eine Begnadigung der Verurteilten einsetzt, erlässt 111 Ebda.,S.7f.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800