Seite - 530 - in Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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530 KÖRPER UND SINNLICHKEIT
Bartel. OduarmerHan. Jchschwere: ichwilnichruhn/bißichJockelsCuntzensBeenwidere
zwiegeschlainha.
Jockel. Jch schwere! Jch will mäy Häytt nich sanffte leen / biß ich Bartels Gritte wider da Kupff
verbrühtha/daserdeWulle stübensoll.115
Dieselbe Szene (und etwas mehr) zum Vergleich, der schon hier eine Reduktion der
barocken Wortgewalt und der vergleichsweise radikalen Dialektverschriftlichung für
theaterpraktischeZweckezeigt.UnsicherheitenindermundartlichenGestaltungzeugen
einerseits von einer nur unzureichend überwundenen Nähe zur unmittelbaren schlesi-
schen Quelle, die immer wieder durchschlägt, und andererseits von standardsprachli-
chenInterferenzen:
Bartel. Esglaubtskeinmenschaufmlichtenbreitengotsboden,wasdas füräkreüz ist,wanme
ensulchen leichtfertigenehrvergesßenennachbarhat.
Görgl. das ist der bärtel, mein zukunfftiger schwiger vatter wans grath! ich will ä wengerl auf
d'seythentretten,undherenwasdraußwerdenwird.
Bartel. o mei hahn! o du armer hahn! o du krumper hahn, s'is kein hahn in dem ganzen viertl
dermeinemhahngleichgewesenwäre.
Jockerl. hols der hencker: i kans nimmä leyden, mä macht mir der possen in d'läng zu vill: ich
stech dem bärtl noch ä mahl ä mesßer in baug daß iem der p fferling zur wunde rausfährt. o
meinarmerbudel,wiehabendichd'schelmenverbrennt.
Bartel. omeinarmerhahn!
Jockerl. warum haben dich heilose leüth so getribilirt. nu ich schwere, sie habens nit dir, aber
wohlmirgethan.
Bartel. werrasetdandorth?
Jockerl. wermachtsichdortensobreit?
Bartel. hoho!es istder jockl selber.
Jockerl. gottgrüsßeeuchnachbahrBärtl,undgebeüchsovill glück,alß ihrwerthseyt.
Bartel. undeüchJockel sovill ihrverdienet.
Jockerl. ichdenckallzeit, ichverdienbesßerglückalßdu.
Bartel. washatdirmeinhahngethan,daßihmsbeynentzweygschmisßen.
Jockerl. da soll mein budel antworten: ich wird dir d'goschen so verbrennen, das der bart aus-
sehensoll,wiemeinenbudld'haar.
Bartel. dudarfftestmihrnitvillwesensmachen,sowill ichdirallebeydehiexeninkleinetrüm-
merzerschlagen,daßduaufdenen ngerheimkriechensolst:wanmeihahnsoschlechtwech
dasbenzerbrochen, sowolte ichnichtäsolches lebenmachen.
Jockerl. ich schmis dir auf dei hahn, was is um ä hahn, mein budel ach! mein budel, der hat
sichallzeitwackermitdenanderenhundenimdorffherumbisßen:erhatbeydernachtbesßer
g'wacht alß zehen muschketierer: nur schad is, das er nit teüsch reden können: o du armer
budel.
Bartel. mei hahnhat mer verstandim hirn g'habt, alß mancher kalendermacher: ich schmisße
diraufdeinenschäbigenhund.
Jockerl. duhastvill zuschmeisßen?wirdsämahlherauskämen,dasdumeinezäunzerbrochen,
undniderg'risßenhast:duwirstwohl sehen,wiesdirgehenwird.
115 AndreasGryphiiVerlibtesGespenste/Gesang-Spil.DiegelibteDornrose.Schertz-Spill.Beydeauffsneue
übersehenundzumandernmahlgedruckt.Breßlaw/BeyEsaieFellgibeln/Buchhändl.Leipzig/Druckts
ChristianMichael/1661,S.9f.
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Buch Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte"
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Titel
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Untertitel
- Eine andere Literaturgeschichte
- Autoren
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 652
- Schlagwörter
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen