Seite - 540 - in Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
Bild der Seite - 540 -
Text der Seite - 540 -
OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR
540 KÖRPER UND SINNLICHKEIT
2
Sagmirvongutgehnnicht,mein lieberThomä,
schaumirnuranmeinPfaid,mußmichrechtschämä,
meinWeibdasMustä thutnichtgernwaschen,
siebrauchtkeinSaifennicht,undäkeinAschen.
3
Waschenthutsiezwargern,abermitderGoschen,
wannsnurwaszsauffägiebt,dasteht ihrs'Mauloffen,
einwaikä thutsägern, ihrnHalsmitBrandwein,
wannsädreySeitelhat, thutsdollundvoll seyn.
[...]
6
Wannisagmein liebsWeib,mustnichtäso trinka,
beyunsernHäusel schau laßtsichnichtsgwinna,
damachtmichausdasWeib,mit ihrnbösenSchnabel,
sagtgradgehstgleichduHund, springtumd'Ofengabel.
7
IhörschonmeinPeta, esgehtdirgarübel,
deinWeibhatd'Hosenan,unddudenKitel,
wanniäsolchsWeibbekemmasolt, iwoltdirscurirn,
ja ihrversoffneHautwolt i einschmirn.
8
WeißhäßläStekädiewärngutzubrauchä,
Ochsenzehn,Mannäfäustdudarfstmirsglaubn,
beymHaarennehmä, inderStubmumazoiha,
alswieeinStok schmußmäsrechtbloiha.
9
PoztausendmeinThomämußtnichtäsoredn,
wannsmeinWeibhörnthät, thätsHandelabgebn,
sie eldir ind'Haar, thätmitdir rauffä,
wieofthab ichmüssenschonvonihrentlauffä.
10
Mein lieberPeter ichwilldirnocheinRathgebn,
wannsmirdenfolgenthust,wirsthabnägutsLebn,
zahldeinWeibBrandweingnug, thueämit ihrsauffä,
wannsallesvertrunkähabts,mögtsbaarfuß lauffa.
11
Mein lieberThomäeswirdäsogschehä,
es ist schondrumunddran, i thusschonseha,
eywasschermichdrum,wannalles istversoffa,
vielleicht stirbtderalteHund,hab iein jungezuhoffä.132
1,4 ankennä] anmerken 2,2 Pfaid] Hemd 2,3 Mustä] liederliche Frau 2,4 Aschen] Lauge aus Wasser und
Asche war ein typisches Reinigungsmittel für Wäsche und Fußböden 3,3 einwaikä] einweichen 6,3 macht
mich aus] beschimpft mich 6,6 Ofengabel] Schürhaken 8,1 Weißhäßlä Stekä] (Weiß-)Haselstecken 8,2 Och-
senzehn] Ochsenziemer, d.h. Rute aus dem getrockneten Penis eines Ochsen 8,3 umazoiha] umherziehen,
umherschleifen8,4 bloiha] schlagen,prügeln
DaszynischeFazit, aufeinEndederEhemiseredurchdenbaldigenToddesPartnerszu
hoffen, ndet seine konsequente Fortsetzung in bösartigen Liedern, die mit dem durch
132 Drey neue weltliche Lieder, Das Erste: Ich weiß nicht, wie mir ist schon etc. Das Zweyte: Boz tausend
hundert schlaperment, etc. Das Dritte: Sey mir willkomm mein lieber Peter, etc. Gedrukt in diesem Jahr.
[o.O.,o.J.; Steyr?,2.H.18.Jh.].
zurück zum
Buch Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte"
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Titel
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Untertitel
- Eine andere Literaturgeschichte
- Autoren
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 652
- Schlagwörter
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen