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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 562 FEHDEN UND FEINDSCHAFTEN Die zweite Emigrationswelle ab April 1732 hatte bereits ein klares Ziel: Auf Einladung und mit tatkräftiger Unterstützung des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. ließen sich Tausende ‚ Ansässige` in Ostpreußen und Preußisch-Litauen nieder. Die Dürrnberger Emigranten, die als Schlüsselpersonal der wirtschaftlich so wichtigen Salzgewinnung zunächst Ausreiseverbot hatten, verließen gegen Ende des Jahres ihre Heimat Richtung Niederlande,manchevonihnensuchteninder(damalsnochbritischen)KolonieGeor- gia ihrGlück.26 Setzten also katholische Agitationstexte vorwiegend auf dialektale Ästhetik, war die Lieddichtung der Salzburger Emigration, die in den folgenden Jahren in zahlreichen Drucken im gesamten protestantischen Deutschland verbreitet wurde, dagegen dezi- diert standardnah gehalten. Lieder wie In Gottes Namen tret ich an, Ach wann wir das recht bedenken, In Gottes Namen so heben wir's an!, Mit Gott wollen wir anheben oder Von Gott will ich nicht lassen richteten sich offensichtlich an ein evangelisches Publi- kumfernabdesbairisch-österreichischenSprachraumsundstelltendieUngerechtigkeit der Verbannung, das Leid der Vertriebenen, aber auch ihr unerschütterliches Gottes- vertrauen in der Not in den Mittelpunkt; der aggressive glaubenskämpferische Ton der katholischenPendants fehlt ihnenweitgehend.27 Auch in den folgenden Jahrzehnten scheint diese Taktik der dialektalen Stimmungs- mache gegen den Kryptoprotestantismus wiederholt zur Anwendung gekommen zu sein, auch wenn kaum Textmaterial überliefert ist. Von Maurus Lindemayr, in Salzburg akademisch sozialisiert, hat sich ein Lied erhalten, das in der postumen Erstausgabe einem „ katholische[n] Bauer[n] bei Anfang der freigegebenen akatholischen Religi- onsübung“ 28 in den Mund gelegt wurde. Doch steht der Bezug zu den josephinischen Reformen im deutlichen Widerspruch zum Liedbeginn, der ein religiöses Treffen der Kryptoprotestanten vor der Legalisierung solcher Zusammenkünfte schildert. Durch das Toleranzpatent von 1781 war es für Protestanten nicht mehr nötig, sich ‚ heimlich in Häuser zu schleichen`, um dort der Auslegung der lutheranischen Lehre zu lau- schen. Lindemayrs Wie lusti gehts izt auf dä Welt wird deshalb wohl Erfahrungen aus seiner Missionarstätigkeit in Aichkirchen verwerten:29 Zur Bekämpfung des Krypto- protestantismus hatte Kaiserin Maria Theresia 1752 die Deportation jener Männer und FrauennachSiebenbürgenangeordnet,diesichweigerten, ihrenevangelischenGlauben aufzugeben. Alle Seelsorger der betroffenen oberösterreichischen Gemeinden hatten damals der Häresie verdächtige Personen einem ‚ Religions-Concessus` zu melden, der daraufhin in einem Verhör die Rechtmäßigkeit der Anschuldigungen überprüfte und hartnäckig bei ihrem Irrglauben Bleibende zur Deportation bestimmte. Im Zuge die- ser theresianischen‚ Transmigrationen` wurdenzwischen1752und1757insgesamt2042 26 Vgl.Florey,DieEntwicklungdesProtestantismus,S.27– 32.– Florey,GeschichtederSalzburgerProtestan- ten,S.158ff. 27 Vgl.Hartmann,HistorischeVolkslieder II,S.287– 310. 28 MaurusLindermayr'sDichtungen,S.184. 29 Zu den näheren Umständen der Aichkirchener Missionierung vgl. Neuhuber, „ Ehrbar will man ergetzt werden ...“ , S.24– 29.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800