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570 FEHDEN UND FEINDSCHAFTEN
GnadenbilderkonzentrierenunddürfedasVolknichtgegendieAutoritätenaufwiegeln;
vorallemaberwettertTrautsongegenPrediger,die
denPredigt-StuhlzueinemSchau-
Platz, und das Wort GOttes, wovor man erzittern sollte, zu einem Gelächter machten,
[...]unddenmuthwilligengemeinenPöbelbiszumLaut-Lachenerlustigten 47.Umei-
ner derartigen Entheiligung des Göttlichen Worts 48 zu begegnen, setzte der spätere
Kardinal auf eine bessere theologische und rhetorische Schulung, die nicht zuletzt auf
eineelaborierte,modernedeutscheSpracheachtete.
Als Norm galt seit 1750 auch im Habsburgerreich Johann Christoph Gottscheds
Grammatik, wie er sie in seiner Grundlegung einer deutschen Sprachkunst (1748) auf
Basis des ostmitteldeutschen Sächsischen entwickelt hatte. Mit dieser dezidierten Ab-
wendungvonderoberdeutschenSchreibsprachegingindenfolgendenJahrzehnteneine
drastische Abwertung des Dialekts als schichtenübergreifende Alltagssprache einher.49
In der Öffentlichkeit den mundartlichen Ausdruck zu wählen, galt nun für die gebilde-
tenSchichtenzunehmendalsunschicklich.DieElitenschmiedenübernahmenraschdie
Vorgaben und richteten ihren Deutschunterricht nach Gottscheds Regelwerk aus. An
der Ritterakademie des Stifts Kremsmünster etwa engagierte sich der Konventuale Ru-
dolph Graser, der mit dem Leipziger Professor im Briefwechsel stand,50 für Gottscheds
Sprachlehre. Auch seiner Vollständigen Lehrart zu Predigen (1768) ein richtungswei-
sendes Werk der Reformhomiletik ganz im Sinne Trautsons legte er sie zugrunde.
Für die normale Sonntagspredigt, zumal auf dem Lande, empfahl Graser die natür-
liche Schreibart , die allerdings nicht
pöbelhaft, niederträchtig, grob, bäurisch 51 sein
dürfe.FreilichwaresfürdieLandgeistlicheninderPraxisnichteinfach,einhohes,stan-
dardnahes Sprachniveau zu halten. In der Predigtsituation empfahl es sich deshalb, das
geschriebene Konzept an die Hörgewohnheiten des großteils ungebildeten Publikums
anzupassen,wolltemanverstandenwerden.
Ganz in diesem Sinne argumentiert auch Maurus Lindemayr, der zu Grasers Prak-
tischer Beredsamkeit der christlichen Kanzel (1769), einem praxisorientierten Kompen-
dium vorbildlicher Predigten mit exemplarischen Analysen, neben sechs eigenen Ar-
beiten auch ein Vorwort an die jungen Herren Prediger` beisteuerte. Der Lambacher
Mönch,selbsteinberühmterRedner,nütztedieGelegenheitzueinerSpezi zierungsei-
nerVorstellungeneinerwirkungsvollenKanzelrhetorik;dieseerfordereeine Einfaltdes
S.143 161. UlrikeKatrinFreitag:GeputztesBlumwerkundbuntschäkkigerWörterkram.Sprachkritikin
den Wöchentlichen Wahrheiten (1782 1784). Frankfurt a.M. [u.a.]: Lang 2007. (Schriften zur deutschen
Sprache inÖsterreich38).
47 [Johann Joseph von Trautson]: Hirten-Brief an seine Geistlichkeit, und insonderheit die Prediger / in sei-
nemerstenLateinischenLaut,undindasTeutscheübersetzt. [Wien:oV.]1752, f. 4v.
48 Ebda., f. 5r.
49 Vgl.Wiesinger,DasVerhältnisvonDialektundSchriftsprache.
50 Vgl. P. Konrad Kienesberger OSB: Der Gottschedianer P. Rudolf Graser OSB und seine Fluchtreise nach
Paris (1760/61) im Spiegel des überlieferten Briefwechsels. Eine Episode aus der Zeit der Aufklärung in
Kremsmünster. In: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige
109(1998),S.291 464.
51 Rudolph Graser: Vollständige Lehrart zu predigen oder wahre Beredsamkeit der christlichen Kanzel nach
der Vorschrift der berühmtesten Redner Frankreich und Deutschlands in gründlichen Regeln. Augsburg:
MatthäusRiegerundSöhne1768,S.617.
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Buch Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte"
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Titel
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Untertitel
- Eine andere Literaturgeschichte
- Autoren
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 652
- Schlagwörter
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen