Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Historische Aufzeichnungen
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
Page - 570 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 570 - in Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte

Image of the Page - 570 -

Image of the Page - 570 - in Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte

Text of the Page - 570 -

OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 570 FEHDEN UND FEINDSCHAFTEN GnadenbilderkonzentrierenunddürfedasVolknichtgegendieAutoritätenaufwiegeln; vorallemaberwettertTrautsongegenPrediger,die„ denPredigt-StuhlzueinemSchau- Platz, und das Wort GOttes, wovor man erzittern sollte, zu einem Gelächter machten, [...]unddenmuthwilligengemeinenPöbelbiszumLaut-Lachenerlustigten“ 47.Umei- ner derartigen „ Entheiligung des Göttlichen Worts“ 48 zu begegnen, setzte der spätere Kardinal auf eine bessere theologische und rhetorische Schulung, die nicht zuletzt auf eineelaborierte,modernedeutscheSpracheachtete. Als Norm galt seit 1750 auch im Habsburgerreich Johann Christoph Gottscheds Grammatik, wie er sie in seiner Grundlegung einer deutschen Sprachkunst (1748) auf Basis des ostmitteldeutschen Sächsischen entwickelt hatte. Mit dieser dezidierten Ab- wendungvonderoberdeutschenSchreibsprachegingindenfolgendenJahrzehnteneine drastische Abwertung des Dialekts als schichtenübergreifende Alltagssprache einher.49 In der Öffentlichkeit den mundartlichen Ausdruck zu wählen, galt nun für die gebilde- tenSchichtenzunehmendalsunschicklich.DieElitenschmiedenübernahmenraschdie Vorgaben und richteten ihren Deutschunterricht nach Gottscheds Regelwerk aus. An der Ritterakademie des Stifts Kremsmünster etwa engagierte sich der Konventuale Ru- dolph Graser, der mit dem Leipziger Professor im Briefwechsel stand,50 für Gottscheds Sprachlehre. Auch seiner Vollständigen Lehrart zu Predigen (1768) – ein richtungswei- sendes Werk der Reformhomiletik ganz im Sinne Trautsons – legte er sie zugrunde. Für die normale Sonntagspredigt, zumal auf dem Lande, empfahl Graser die „ natür- liche Schreibart“ , die allerdings nicht „ pöbelhaft, niederträchtig, grob, bäurisch“ 51 sein dürfe.FreilichwaresfürdieLandgeistlicheninderPraxisnichteinfach,einhohes,stan- dardnahes Sprachniveau zu halten. In der Predigtsituation empfahl es sich deshalb, das geschriebene Konzept an die Hörgewohnheiten des großteils ungebildeten Publikums anzupassen,wolltemanverstandenwerden. Ganz in diesem Sinne argumentiert auch Maurus Lindemayr, der zu Grasers Prak- tischer Beredsamkeit der christlichen Kanzel (1769), einem praxisorientierten Kompen- dium vorbildlicher Predigten mit exemplarischen Analysen, neben sechs eigenen Ar- beiten auch ein Vorwort ‚ an die jungen Herren Prediger` beisteuerte. Der Lambacher Mönch,selbsteinberühmterRedner,nütztedieGelegenheitzueinerSpezi zierungsei- nerVorstellungeneinerwirkungsvollenKanzelrhetorik;dieseerfordereeine„ Einfaltdes S.143– 161.– UlrikeKatrinFreitag:GeputztesBlumwerkundbuntschäkkigerWörterkram.Sprachkritikin den Wöchentlichen Wahrheiten (1782– 1784). Frankfurt a.M. [u.a.]: Lang 2007. (Schriften zur deutschen Sprache inÖsterreich38). 47 [Johann Joseph von Trautson]: Hirten-Brief an seine Geistlichkeit, und insonderheit die Prediger / in sei- nemerstenLateinischenLaut,undindasTeutscheübersetzt. [Wien:oV.]1752, f. 4v. 48 Ebda., f. 5r. 49 Vgl.Wiesinger,DasVerhältnisvonDialektundSchriftsprache. 50 Vgl. P. Konrad Kienesberger OSB: Der Gottschedianer P. Rudolf Graser OSB und seine Fluchtreise nach Paris (1760/61) im Spiegel des überlieferten Briefwechsels. Eine Episode aus der Zeit der Aufklärung in Kremsmünster. In: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 109(1998),S.291– 464. 51 Rudolph Graser: Vollständige Lehrart zu predigen oder wahre Beredsamkeit der christlichen Kanzel nach der Vorschrift der berühmtesten Redner Frankreich und Deutschlands in gründlichen Regeln. Augsburg: MatthäusRiegerundSöhne1768,S.617.
back to the  book Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte"
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Title
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Subtitle
Eine andere Literaturgeschichte
Authors
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
652
Keywords
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800