Seite - 52 - in Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande

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lieber Weg über Almboden abzweigt. Dieser Steig, roth-blau markirt, zieht zuletzt hart an dem Grat des Lantsclikammes hin und führt uns in einer halben Stunde nach einer scharfen Wendung nach links zum sogenannten oberen Wirthshaus, welches ein Bauer aus der Breitenau, Namens Schragl, vulgo Sattler, vor circa 7 Jahren erbaute. Zehn Betten bieten uns in diesem, das ganze Jahr bewohnten Hause, ein ganz ent- sprechendes Nachtquartier, wie auch die Gloriette vor dem Hause, welche auf unserer Illustration noch sichtbar ist, eine entzückende Fernsicht erschliesst. Wir werden aber kaum in die Lage kommen, vorerst die Gastlichkeit dieses Hauses in Anspruch zu nehmen, denn mit dämonischer Macht lockt uns hier das wunderbar mitten im schauerlichen Abstürze der Felsen in den Wänden gebettete Wallfahrtskirchlein von Schüsserlbrunn (S. 53) mit dem traulichen Messnervvirthshaus in die Tiefe. Ueber in den Fels gemeisselte Stufen, die Hand auf das schwanke Geländer gestützt, schreiten wir hinab, den Blick in den zu unseren Füssen gähnenden Abgrund verloren, und in wenigen Minuten stehen wir auf jener kleinen Plattform, auf welcher einst, wie die Legende erzählt, ein weidendes Vieh von schwin- delnder Höhe herabstürzte und unversehrt hier anlangte. Eine wundergläubige Zeit sah hierin einen Wink Gottes zur Er- bauung eines Wallfahrtskirchleins, und bald sehen wir, ge- schützt von einer überhängenden Felswand, einen frommen Einsiedler sich hier seine schlichte Klause zimmern, und da- neben eine kleine Kapelle sich erheben, und als nun auch aus einer kleinen Felsenmuschel ein frisches Wässerlein quoll, da war auch der Name für das Schwalbennest in den Wänden ge- funden: „Schüsserlbrunn". Der fromme Klausner ist gestorben und hat keinen Nachfolger gefunden, aber über dem Kapellchen ist in jüngster Zeit ein gar stattliches Kirchlein gezimmert worden und da ist auch gerade noch soviel Platz geblieben, dass daneben sich ein ganz treffliches Wirthshaus einnisten konnte, so dass für des Leibes und der Seele Wohl gleich gut gesorgt ist. Und ein gar gastliches Willkomm wird uns hier von einem jungen strebsamen Wirthe, Georg Häusler aus der Breitenau, geboten, so dass wir uns bald gar heimisch
Die nordöstliche Steiermark Eine Wanderung durch vergessene Lande
Titel
Die nordöstliche Steiermark
Untertitel
Eine Wanderung durch vergessene Lande
Autor
Ferdinand Krauss
Verlag
-
Ort
Graz
Datum
1888
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
10.93 x 17.9 cm
Seiten
498
Kategorien
Geschichte Vor 1918