Seite - 82 - in Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande

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— 82 — 2 Uhr Morgens wieder beim nächsten Bauern das Brechein zu beginnen. In anderen Orten kommt ein mit Bändern und künst- lichen Blumen verziertes Lichtelbäumchen nach Art der Christ- bäume auf den Tisch: die Bänder erhalten die Dirnen, die Blumen die Burschen, worauf der Brecheltanz beginnt. Statt dem Bäumchen findet man auch oft einen riesigen Gugelhupf, aus dessen Mitte ein grosser Blumenstrauss herausragt. Oft er- scheint auch eine mächtige wohlverschlossene Schüssel auf dem Tische, bei deren Oeffnung ein alter Kater unter die Brech- lerinnen springt. In einigen Orten besteht das Brechelmahl aus einer alten Henne, Rahmsuppe, g'schmierts (fettes) Kraut, Eier- knödeln, Rahmstrudel, gebackenem Reis, Schöberl etc. und zu- letzt Kaffee. Ebenso wird die Beendigung des Drusches mit einer Mahlzeit abgeschlossen, die meist der „Dreschhahn" oder „Stadelhahn" genannt wird. Vorher muss aber einer der Drescher der Bäuerin das Krapfenholz bringen, ohne dabei von den Ilausdirnen mit Wasser begossen zu werden. Dazu wird nun ein Brett mit dem Dreschflegel in Stückchen geschlagen und mit Stroh in ein Bündel gebunden, worauf ein Drescher „Krapfen- holztragen" geht, um es der Bäuerin mit einem Spruch zu überbringen: „Frau Bäurin, da bring i s' Krapfenholz, dass af die Krapfen nicht vergisst und alle alloan frisst." Hinter den Thüren lauern aber die Dirnen mit wassergefüllten Gefässen, um den Krapfenholzträger auf diesem Wege zu begiessen, wo- durch die Drescher ihr Anrecht auf die Krapfen verlieren, daher wenden die Drescher alle List an, um diesem Ungemach zu entgehen, indem sie alle Dirnen plötzlich auf einen anderen Ort. locken, durch den Rauchfang einsteigen, oder gar von einer Dirne den Sonntagsstaat anziehen. 4. Hochzei tsgebräuche. Unter den vielen Hoch- zeitsgebräuchen verdienen mindestens nachstehend erzählte genannt zu werden: so das Versammeln der oft maskirten und mit komischen Pässen versehenen Ortsarmen „der Moasn- schützen" beim Festmahle, um eine Gabe zu erbitten, weiters der Kranzerltanz, nach Mitternacht des Hochzeittages, welchen die Braut mit dem Brautführer tanzt, und während welchem der Brautführer der Braut den Kranz aus den Haaren nimmt und
Die nordöstliche Steiermark Eine Wanderung durch vergessene Lande
Titel
Die nordöstliche Steiermark
Untertitel
Eine Wanderung durch vergessene Lande
Autor
Ferdinand Krauss
Verlag
-
Ort
Graz
Datum
1888
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
10.93 x 17.9 cm
Seiten
498
Kategorien
Geschichte Vor 1918