Seite - 160 - in Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande

Bild der Seite - 160 -

Bild der Seite - 160 - in Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande

Text der Seite - 160 -

— 160 — Das Schloss Feistritz trägt alle Merkmale eines uralten Familiensitzes: im äussersten Hintergrunde ragt noch der finstere trotzige Thurm mit seinem Gewirre von engen Treppen und schmalgeschlitzten Fensterlucken, den vielleicht in seinen Grund- vesten die ersten Sprossen des Edelgeschlechtes der Herren von Feistritz, die schon 1141 (mit Ortwin von Feistritz) er- wähnt werden, erbauten, als Wahrzeichen längst entschwundener Zeiten über die Wipfel uralter Bäume auf, aber dem engen Thurme fügte jede Generation neue Bauten, immer wohnlicher und freundlicher an, bis in den Vierziger Jahren unseres Jahr- hunderts die Grafen Lamberg mit dem Ausbau der schon auf Visclier's Prospect des Schlosses von 1681 befindlichen Ost- front desselben, bis zu den Eckthürmen, den Bau des Schlosses zum Abschlüsse brachten. Die langgestreckte Front des einstockliohen, von zwei Eck-thürmen flankirten Schlosses, in dessen Thorhalle eine merkwürdige steinerne Löwenfigur liegt, birgt die eigentlichen Wohnräume des Neuschlosses, die reich mit Rococo-Möbeln ausgestattet sind. Inter-essante Schränke mit reicher Einlegearbeit, prächtige Truhe aus dem 17. Jahrhundert, Familienporträts, Stammbäume etc. Beson-ders sehenswertji die den ganzen Corridor und ein Zimmer füllende Waffensammlung, die schönste der Ost-Steier-mark, namentlich die reiche Sammlung der Gewehre (prächtig ein-gelegte Radschlossgewehre etc.). Durchschreitet man die Thorhalle, so gelangt man in den grossen Hofraum, an dessen linker Ecke die grosse Kapelle, ein äusserlich schmuckloser Bau, liegt. Um diese Kapelle war einst ein Friedhof, und wurden vor einigen Jahren bei einem Umbau viele Knochenreste gefunden, bei welcher Gelegenheit man auch entdeckte, dass das Schloss ganz auf Piloten aufgebaut ist. Innen birgt die geräumige Kapelle zum heil. Michael, deren Steinpflaster bemost ist, interessante Grabsteine der Familie Mindorf, mit Relief bildern und protestantischen Bibelsprüchen reich versehen, durchwegs aus dem Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts. Den Hofraum begrenzt westlich ein unregelmässiges Gebäude, dessen Thorbogen mit den steinernen Wappen der Mindorf, Trautmannsdorf und Eibis-wald geziert ist, welche Wappen sich auf Christoph Freiherrn von Mindorf und seine Gemahlinnen Sophie v. Trautmannsdorf und Maria Magdalena v. Eibiswald beziehen. Hat man die Thorhalle durch-schritten, so erblickt man den riesigen viereckigen Thurm, der die älteste Schlossanlage markirt. Der gewaltige Thurm, dem ein eine Wendeltreppe bergender Rundtburm vorgelagert ist, die angrenzenden, im rechten Winkel ausspringenden Arcadengänge und ein mächtiger
Die nordöstliche Steiermark Eine Wanderung durch vergessene Lande
Titel
Die nordöstliche Steiermark
Untertitel
Eine Wanderung durch vergessene Lande
Autor
Ferdinand Krauss
Verlag
-
Ort
Graz
Datum
1888
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
10.93 x 17.9 cm
Seiten
498
Kategorien
Geschichte Vor 1918