Seite - 164 - in Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande

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— 164 — doch noch immer ein wehrhaftes Aussehen zu erhalten gewusst. Das zweistöckige Schloss enthält 25, meist altertümlich möblirte Zimmer und eine Kapelle. Das Schloss ward, einer eingemeisselten Inschrift sammt Wappen zufolge, von den Teuffenbach in seiner heutigen Gestalt erbaut. Ursprünglich war es, wie die meisten steirisehen Schlösser, im Besitze eines gleichnamigen Adelsgeschlechtes (der Mayrhofer). Der einstige Stammsitz der Freiherren von Teuffenbach zu Mayrhofen, eines von Härtl und seinem Sohne Leutold im 14. Jahr-hunderte gegründeten Zweiges des auf der gleichnamigen Yeste 'im oberen Murthale ansässig gewesenen, von dem 1080 aus Sachsen eingewanderten Ortolf abstammenden, in der jüngeren Massweger Linie noch fortblühenden, berühmten und um Kaiser und Reich hoch-verdienstvollen Adelsgeschlechtes der Ritter und Freiherren von Teuffenbach zu Tiefenbach lag zu Unter - Tiefenbach bei Kaindorf. Ein Hartneid (Härtl), Sohn Leutold's, war 1362 Verweser zu Graz, 1366 Burggraf von Fürstenfeld, brachte 1377 das nach Conrad Mayrhofen genannte Stammgut käuflich an sich, woher dann auch die folgenden Glieder dieses Geschlechtes den Namen Teuffenbach-Mayrhofen führten, stiftete mit seinen Brüdern Rudolph und Dietrich in der Kirche zu Kundorf ein Anniversar für seinen Vater und starb ungefähr 1385. Dietrich von Teuffenbach-Mayr-hofen war der erste Mann der in der vaterländischen Sage fort-lebenden reizenden Anna von Eberstein, nachmaligen Gemahlin Günthers von Herberstein. Balthasar befand sich bei dem Aufgebote der Steirer, welche 1462 gegen Wien zogen; sein Sohn Bernhard spielte eine hervorragende Rolle unter den Edlen des Landes, trat 1530 entschieden für die Vereinigung Ungarns mit den österreichischen Ländern zum Schutze gegen die Türken ein, und war einer der Kom-missäre, welche eine neue Land-Gerichtsordnung abzufassen hatten. Von Bernhard's Söhnen zeichneten sich insbesonders Andreas und Servatius aus; letzterer war Kriegspräsident und verhandelte in Prag wegen der Verteidigung der kroatischen, windischen und küsten-ländischen Grenze, ersterer aber waltete 1560 bis 1570 als Landes-verweser von Steiermark. Zu ihrer höchsten Bedeutung erhoben sich die Teuifenbacher der Mayrhofer Linie, welche mit den angesehensten Adelsfamilien des Reiches verschwägert waren und besonders im 16. und 17. Jahrhunderte tätig hervortraten, aber auch den Schwer-punkt ihres ausgedehnten Familienbesitzes nach Mähren verlegten, unter Andreas' Sohne, Freiherrn Christoph. Dieser berufene, zu Witten-berg gebildete Kriegsmann, bewährte sich als Gesandter an den Sultan Selim II., schloss 1568 den Frieden von Adrianopel, schlug 1593 die Türken hei Fiilelc entscheidend, und starb 1598 als kaiserlicher Feld-marschall und Ritter des Goldenen Vliesses; seine schwarze Rüstung befindet sich in der kais, Ambraser Sammlung zu Wien. Von Christophs
Die nordöstliche Steiermark Eine Wanderung durch vergessene Lande
Titel
Die nordöstliche Steiermark
Untertitel
Eine Wanderung durch vergessene Lande
Autor
Ferdinand Krauss
Verlag
-
Ort
Graz
Datum
1888
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
10.93 x 17.9 cm
Seiten
498
Kategorien
Geschichte Vor 1918