Seite - 196 - in Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande

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— 196 — Steiermark, welche AVurde später 1418—1419, 1436—1449, 1453 — 1460 und 1687 — 1703 wieder Stubenberg (Jacob, Hanns, Leutold und Georg) bekleideten. 1322 am 28. September wurden zweiStubenberg mit Herzog Friedrich dem Schönen in der Schlacht bei Mühldorf ge-fangen. 1412 zieht Ulrich von Stubenberg mit Herzog Ernst dem Eisernen nach Palästina. 1418 erscheint Wolfgang von Stubenberg als siegreicher Heerführer gegen die das erste Mal eingedrungenen Türken. 1431 führte Eckhard von Stubenberg die steirisehen Truppen gegen die Hussiten an. 1469—1470 betheiligt sich Hans von Stubenberg als Schwiegersohn Baumkircher's an der steirisehen Ritterempörung Zur Zeit der Reformation schlössen sich die wichtigsten Glieder der Familie der neuen Lehre an, und wanderten Georg und Georg Sigmund mit dem grössten Theile des Familienvermögens und dem Hauptarchive nach Baiern aus. Mit dieser Auswanderung der wichtigsten Glieder der Herren von Stubenberg erlitt die Bedeutung dieses Geschlechtes in Steier-mark und Oesterreich einen Todesstoss, von welchem es sich nie mehr erholte. Yon der Bedeutung dieses edlen Geschlechtes vor der vorerwähnten Auswanderung seiner Hauptglieder in Steiermark gibt den besten Beweis die auf Grund des Güterbesitzes berechneten Bei-stellungspflichtigkeiten der steirisehen Edlen, Stifte etc. zum Landes-aufgebot von 1565. Nach diesen Verzeichnissen hatten die Stubenberg 52Pferde und 162 Biichsenschützen, die zunächst kommenden Windisch -grätz jedoch nur 16 Pferde und 59 Schützen, die Saurau 13 Pferde und 43 Schützen, die Herberstein 11 Pferde und 51 Schützen, die Teuffenbach 10 Pferde und 31 Schützen etc. beizustellen. Selbst der Erzbischof von Salzburg hatte nur 24 Pferde und 122 Schützen bei-zustellen, somit weit weniger wie die Stubenberg. Am 7. Juli 1708 wurde Leopold von Stubenberg in Graz, als er aus dem geheimen Rathe nach Hause fuhr, in der Bürgergasse von Anton Graf Saurau und Friedrich Graf Herberstein überfallen und zum Duell gezwungen, in welchem er ermordet wurde. Die Ursache ist nicht bekannt geworden. Das Geschlecht der Stubenberg bekleidet seit 500 Jahren die Erbmundschenkenwürde in Steiermark. Die Stubenberg besitzen derzeit noch Gutenberg, Stubegg, Obermureck, Oberkapfenberg und Wieden in Steiermark und Szekelyhid in Ungarn. Wenige Geschlechter der Steiermark sind so innig verwebt mit den Schicksalen des Landes, wie dieses ruhmvolle Dynastengeschlecht. Aber auch die erste Pfarrkirche stand nicht auf Stelle der heutigen, vielmehr muss sie tief unten in der „Au" sich erhoben haben, denn heute noch erinnern die uralten Namen „Freithofacker", „Frauenwiese" und „Thorwiese" und mehr- fach aufgefundene Mauerreste, dass einst auf dieser Au, zehn Minuten südlich vom heutigen Dorfe, ein Gotteshaus gestanden
Die nordöstliche Steiermark Eine Wanderung durch vergessene Lande
Titel
Die nordöstliche Steiermark
Untertitel
Eine Wanderung durch vergessene Lande
Autor
Ferdinand Krauss
Verlag
-
Ort
Graz
Datum
1888
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
10.93 x 17.9 cm
Seiten
498
Kategorien
Geschichte Vor 1918