Seite - 212 - in Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande

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212 Grafenort in Prenss.-Schlesien. Am bedeutendsten ist jedoch die Allod-Herrschaft Strilek mit Cetechowitz nächst Kremsier in Mähren mit circa 4600 Joch, Eigenthum des Sigmund Graf Herberstein. Wie wir früher erwähnt, theilten sich Georg und Andreas Herberstein in das Erbe des 1421 gestorbenen Günther von Herberstein, wodurch zwei Linien entstanden. Die ältere, von Georg von Herberstein ausgehende, die wir weiter verfolgt haben, und die von Andreas ausgehende jüngere Linie. Dieser Andreas von Herberstein erhielt bei dieser Tlieilung die Yeste Mahrenfels in Istrien nebst vielen anderen Besitzungen. Er vermählte sich mit Ursula von Teuffenbach, welcher Ehe zwei Söhne und zwei Töchter entsprossen: Georg und Leonhard, Elisabeth und Dorothea. Hievon heiratete Leonhard 1465 Barbara, Tochter Niclasens, Burggrafens von Luentz und Lueg. Dieser Ehe entsprossen vier Söhne, darunter der 1486 zu Wippach in Krain geborene berühmteste aller Herberstein, Sigmund von Herberstein. Er war nicht nur ein heldenhafter Heerführer, sondern einer der berühmtesten Staatsmänner und Gelehrten seiner Zeit, der nebst vielen wissenschaftlichen Werken auch ein merk-würdiges Tagebuch seines thatenreichen Lebens hinterlassen hat. Er ward nicht nur bei jeder Gelegenheit zum Richter und Vermittler zwischen Landesherrn und Vasallen erkoren, sondern es wurden ihm auch die schwierigsten Missionen an allen Höfen in und ausser Europa übertragen, wie er auch von allen Königen und Fürsten mit Auszeichnungen überhäuft wurde. Er lebte unter fünf Kaisern aus dem Hause Habsburg: Friedrich dem Friedsamen, Maximilian I., Carl V., Ferdinand I. und Maximilian II., Maximilian I. und Ferdinand 1. trug er auf seinen Schultern zu Grabe. Maximilian I. und II., Carl V. und Ferdinand leistete er wichtige Dienste. Er starb am 28. Mai 1566 zu Wien, 80 Jahre alt, und wurde bei den Michaelern beigesetzt. Dem Schlosse ist, wie erwähnt, eine im Stile floren- tinisclier Renaissance zierlichst gebaute Galerie, welche den ersten Hof einschliesst, vorgelagert. Die Fagade dieser Galerie, von zwei schräg gestellten Eckthürmen mit Schiessscharten flankirt, zeigt in der Mitte das reich mit den Statuen Mars und Minerva und dem von zwei Löwen gehaltenen prächtigen Herberstein'schen Wappen decorirte Portal des Thores, über welchem eine lange lateinische Inschrift den Ruhm des Er- bauers dieser Galerie (1648), Johann Maximilian Graf Herber- stein verkündet. Zu oberst ein Marienbild. Die Galerie, welche ringsum in einer von Säulenbalustraden umschlossenen Plattform endet, zeigt innen eine Doppelreihe von Arcaden, welche im Sommer ganz von Guirlanden wilden Weins umwuchert ist, während die umlaufenden Corridore mit prächtigen alten Hirschgeweihen
Die nordöstliche Steiermark Eine Wanderung durch vergessene Lande
Titel
Die nordöstliche Steiermark
Untertitel
Eine Wanderung durch vergessene Lande
Autor
Ferdinand Krauss
Verlag
-
Ort
Graz
Datum
1888
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
10.93 x 17.9 cm
Seiten
498
Kategorien
Geschichte Vor 1918