Seite - 253 - in Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande

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— 253 Geschichte des Stiftes: Die Gründung des Stiftes er-folgte, wie erwähnt, durch den letzten Neuberg (Neyperg) uud seine Schwester mit Testament vom Nikolaitage 1482. Dem ersten Prä-laten Ulrich v. Trautmannsdorf des vom Chorherrenstifte Vorau colonisirten Stiftes folgte 1512 der Stiftsdechant Lorenz Handl, der jedoch resignirte, worauf Johann Mistelberger zum dritten Prälaten gewählt wurde. Er starb 1530, worauf Leopold Bachmann nach-folgte, der jedoch schon 1534 starb. Sein Nachfolger war Christoph Trückl, Stadtpfarrer zu Graz, welcher in stürmischer, drangvoller Zeit sein Amt 28 Jahre bekleidete. Unter seine Regierung fällt der Ueberfall des Stiftes durch Weickhart von Pollheim am 9. Mai 1541, der jedoch durch die Marktbewohner, die auf den Schall der Sturmglocke dem Stifte zu Hilfe eilten, abgeschlagen wurde. Die Ursache dieses Ueberfalles war ein Streit um das Vogteirecbt über Pöllau. Dem Christoph Trückl folgte 1560 Georg Steinhauser, der jedoch schon 1565 starb. Hierauf wurde Stefan Mitterhauser zum Prälaten gewählt, welcher 20 Jahre seines Amtes waltete und am 2. October 1585 starb. Sein Nachfolger wurde Dr. Peter Muchitsch, Stadtpfarrer zu Graz, früher Domherr zu St. Stephan in Wien und Rector magnificus der Wiener Universität, einer der eifrigsten Gegner des Protestantismus. Er starb 1600, am 29. April. Ihm folgte Valentin Ritter, der während seiner 23jährigen Regierung das Stiftsvermögen wesentlich vermehrte. Er starb am 1. November 1623. Sein Nachfolger Michael Praithofer, gleichfalls ein Mehrer des Stiftsvermögens, regierte bis 1641. Ihm folgten Vincenz Neu-hold und Caspar Kolb 1641-1643 und 1643—1645. Der nächste Prälat Pankratius Perkliofen vermehrte wesentlich das Stiftsver-mögen, so namentlich durch Ankauf der Herrschaft Ktilbl. Mit seinem Nachfolger Michael Josef Meister (1669—1696) erreichte das Stift seine schönste Blütheperiode; dieser treffliche Mann, von ungewöhnlichen Geistes- und Herzensgaben, erwarb u. a. das Frei-haus in der Herrengasse (jetzt Nr. 26) in Graz, baute das Stifts-gebäude vom Grunde aus neu auf, sowie den Pfarrhof zu Pöllau-berg, Hess Mathias von Görz in Italien ausbilden und entwarf die Pläne zum Neubau der Kirche, wie er auch viele reiche Sprossen alter Adelsgeschlechter zum Eintritte in das Stift veranlasste. Er starb am 7. November 1696. Ihm folgte, in die Fussstapfen seines Vorgängers tretend, Johann Ernst v. Ortenhofen, unter dessen 46jähriger Regierung der Neubau der Kirche und die Erwerbung des Pöllauerhofes am Mehlplatze in Graz (jetzt Oberlandesgericht) und der Herrschaft Welsdorf fällt. Er starb am 29. Juli 1741. Sein Nachfolger Karl Josef Graf v. Breuner, lebte während seiner 32jährigen Regierung zumeist in Graz, er war landständischer De-putirter und vernachlässigte die Interessen des Stiftes. Ihm folgte als letzter Prälat 1776 der Pfarrer in Miesenbach, Maria Anton Edler von Rain, unter ihm wurde das Stift, welches damals 29 Chor-
Die nordöstliche Steiermark Eine Wanderung durch vergessene Lande
Titel
Die nordöstliche Steiermark
Untertitel
Eine Wanderung durch vergessene Lande
Autor
Ferdinand Krauss
Verlag
-
Ort
Graz
Datum
1888
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
10.93 x 17.9 cm
Seiten
498
Kategorien
Geschichte Vor 1918