Seite - 265 - in Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande

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— 265 — Kaum begann sich Hartberg unter der Regierung Kaiser Maximilians etwas zu erholen, so vernichtete ein furchtbarer Brand 1512 abermals den grössten Theil der Stadt, worauf Maximilian Hartherg das Privilegium eines Jahrmarktes in der Fastenzeit mit jedesmaliger vierwöchentlicher Freiung (ddo. Erhardstag 1512) verlieh. Im Jahre 1525 wurde für Steiermark eine Türkensteuer von 8500 Pfund Pfennige ausgeschrieben, wovon auf Hartberg 120 Pfund entfielen. Im Jahre 1529 berannte ein türkisches Streifcorps Hart-berg; schou stand ein Muselmann mit der Fahne auf der erstürm-ten Ringmauer, berichtet die Ueberlieferung, als ein Bäckerjunge, der eine zerbrochene Silbermünze in seine Büchse geladen hatte, ihn herabschoss. Der Türke stürzte über die Mauer, die Fahne aber fiel in die Stadt, wo sie später bei allen feierlichen Umzügen bis in die Dreissiger Jahre unseres Jahrhunderts herumgetragen wurde. Beim grossen Türkeneinfall 1532 zogen die türkischen Heerhaufen an Hartberg vorüber, ohne einen ernstlichen Angriff zu unternehmen. In dieser drangvollen Zeit verpfändete der Kaiser Stadt und Schloss Hartberg um 4000 Pfund Pfennige an Herrn Hanns Sigis-mund von Dietrichstein „auf ewigen "Widerruf"; um das Jahr 1546 war jedoch Stadt und Schloss wieder landesfürstlich. Aber Erz-herzog Karl II., Sohn König Ferdinands, dem bei der Ländertheilung Innerösterreich zugefallen war, war bald gezwungen, zu den Kriegs-rüstungen gegen die Türken grosse Geldsummen aufzubringen, was zumeist durch Verpfändung landesfürstlicher Güter bewirkt wurde. Und so wurde auch Hartberg an einen gewissen Caspar Puggl verpfändet und zwar um das Jahr 1569. Aber leider nur zu bald entstanden Streitigkeiten zwischen dem Pfandinhaber und der ihre Privilegien wahrenden Stadt, welche endlich durch den berüchtigten Puggl'schen Vergleich, welcher am 20.März 1572 landesfürstlich bestätigt wurde (resp. 1569), scheinbar beigelegt wurden. Dieser Vertrag wurde zur Quelle unsäglicher Unbilden für die Stadt, und wir müssen ihn daher hier auszugsweise anführen: „1. Jeder neuerwählte Richter ist durch Rathsbürger Kaspar Puggl oder seinen Kachfolgern vorzustellen. Im Falle der Inhaber wichtige Bedenken gegen die Wahl hat, und die Bürger davon nicht abstehen, ist er berechtigt, den Act an die Landesobrigkeit zu leiten. 2. Bei der Vorstellung des Richters ist zugleich die Liste neu auf-genommener und verabschiedeter Bürger zu überreichen. 3. In Bezug auf Bergrecht (Weinzehent) und Fertigung der Weingartbriefe (Kauf-briefe) verbleibt die Bürgerschaft bei ihrem alten Herkommen, jedoch mit der Beschränkung, dass in Zukunft den Bergholden Briefe nur hinausgegeben werden dürfen, nachdem sie sich zuvor dem Pfand-inhaber behufs Richtigstellung der jährlichen Bergrechtsfälle im Urbar gestellt. Das Absterben von Bergholden ohne Leibeserben ist jederzeit gebührenden Ortes anzuzeigen. 4. Das Stadtgericht ist com-petent, in den Privatforderungen Puggl's gegen die Mitbürger als
Die nordöstliche Steiermark Eine Wanderung durch vergessene Lande
Titel
Die nordöstliche Steiermark
Untertitel
Eine Wanderung durch vergessene Lande
Autor
Ferdinand Krauss
Verlag
-
Ort
Graz
Datum
1888
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
10.93 x 17.9 cm
Seiten
498
Kategorien
Geschichte Vor 1918