Seite - 373 - in Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande

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— 373 4 Märkte bewilligte, hängt so innig mit jener der Burgveste zusammen, dass wir dieselbe bei Besprechung der Burgveste behandeln werden. Die Gründung der Pfarre fällt jedenfalls vor das Jahr 1110, wo sie zuerst urkundlich erwähnt wird. Die Herzoge von Oester-reich beschenkten, als Steiermark zu Oesterreich fiel, die Pfarre reichlich, daher auch der Landesfürst das Patronatsrecht ausübte. Im Jahre 1514 machte jedoch der damalige Burgbesitzer Hanns v. Reichenburg eine Stiftung für 5 Kapläne, 2 Gesellen und 1 Schul-meister, die am 24. Mai vom Kaiser Maximilian bestätigt und gleich-zeitig das Besetzungsrecht der Pfarre alternativ dem jeweiligen Burgbesitzer übertragen wurde. Im Jahre 1629 machte zuletzt Kaiser Ferdinand II. von diesem Recht Gebrauch und verlieh die Pfarre unter gleichzeitiger Erhebung derselben zum Dekanate seinem Hof-kaplan Johann Reicbl. Ueber wiederholtes Ansuchen der Freifrau Elisabeth v. Galler auf Riegersburg ertheilte Ferdinand III. ihr und allen folgenden Besitzern des Schlosses das alleinige Patronatsrecht mit Gnadenbrief vom 12. Juli 1653 unter der Bedingung, dass jähr-lich am 19. October in der Schlosskapelle drei solenne Aemter für das Haus Oesterreich abgehalten werden. Die Beihe der Pfarrer beginnt im Jahre 1377 mit Johann Graf Pernstein. Unter den Hauptpfarrern ist besonders Magister Wolfgang Strobl erwähnenswerth, in Folge seines langjährigen Streites mit der Gallerin auf der Riegersburg (im Volksmunde die schlimme Liesl genannt), die nicht nur diesen Pfarrer, den Erbauer des Gnadenkirchleins St. Salvator in Breitenfeld, seine Wirtschaf-terin und seine Kapläne unversöhnlich verfolgte, sondern auch gegen den Erzpriester von Graz, Jacob Kegler, bald beim Landesfürsten, bald beim Bischöfe v. Seckau Klage führte. Unter dem Nachfolger Strobl's, der sich nach 30jährigem Processiren, endlich des Streites müde, auf den von ihm erworbenen Huberhofe zurückzog, Dr. Michael Zirlcelius (Zirhackl), 1665 zum Hauptpfairer ernannt, begannen die vom Pfarrer zu Hatzendorf, Agricola, inscenirten berüch-tigten nächtlichen Orgien beim Hatzendorfer Wegkreuz, deren Theil-nehmer später, der Hexerei angeklagt, nahezu durchwegs am Schei-terhaufen endeten. Es ist nicht festzustellen, inwieweit Zitkelius, der mit Vorliebe das Studium der Mathematik und der Naturwissen-schaften pflegte, in dieser mystischen Affaire verwickelt war, sein Tod durch eigene Hand mittelst Gift spricht jedoch für die Rich-tigkeit der auf der Folter von mehreren „Hexen" gemachten Aus-sagen, dass Zirkelius bei diesen Hexcngesellschaften mehrmals anwesend gewesen sei. Nach Zirkelius' Tode wurde 1674 Johann Anton de Gabrielis als Hauptpfarrer in Riegersburg eingesetzt, hei welchem die Vicare von Fehring, Paldau und Hartmannsdorf, als mit den Hexengesellschaften mitverflochten, in Haft gesetzt und
Die nordöstliche Steiermark Eine Wanderung durch vergessene Lande
Titel
Die nordöstliche Steiermark
Untertitel
Eine Wanderung durch vergessene Lande
Autor
Ferdinand Krauss
Verlag
-
Ort
Graz
Datum
1888
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
10.93 x 17.9 cm
Seiten
498
Kategorien
Geschichte Vor 1918