Seite - 396 - in Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande

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— 396 — 735 Millimeter Luftdruck, 18'7S° Temperatur und 76% Feuchtigkeit. Es zeichnet sich vor Allem durch den Mangel jener raschen "Wärmeschwankungen aus, die dem Hochgebirge mit seinem alpinen Klima eigen sind, und verhindert durch seinen höheren Gehalt an Feuchtigkeit das Austrocknen der gereizten Schleimhäute der Respirationsorgane. Der günstigen klimatischen Lage entsprechend, ist die Vegetation eine über- raschend üppige, wie auch ausgedehnte Nadelholz- wie Laub- holzwälder mit schönen alten Beständen nach allen Richtungen in unmittelbarer Nähe des Curortes sich ausbreiten, schattige Waldpromenaden erschliessend. Geologische Verhältnisse. Von ganz besonderem Interesse sind die höchst merkwürdigen geologischen Verhältnisse der Umgebung Gleichenbergs, über welche eine eigene reichhaltige Literatur besteht; namentlich hat sich damit der derzeit älteste Brunnenarzt Dr. Clar in neuerer Zeit eingehend beschäftigt. Aus den wogenden Flutben im Innern der noch schwachen Erdrinde erhob sich vor Jahrtausenden eine teuerflüssige Masse und bildete erstarrt den Trachyt-Centralstock des Gleichenherger Kogels, der wie eine Insel über seine Umgebung emporgeragt haben muss. Mächtige Wassermassen flutheten um den Kogel und setzten Schichten von Sand, Tegel und Kalk an seinem Fusse ab, welche reichliche Reste der Bewohner dieses Meeres, und zwar der Schneckengattung Cerithium, deren spitze Gehäuse nebst anderen Muschelgattungen sich zahlreich vorfinden, enthalten. Abermals öffnete sich der vulcanische Spalt, aus welchem der Gleichenberger Kogel emporgestiegen war, und verlängerte sich nach Norden, Osten und Süden, und neue isolirt aufstrebende Bergkogel begannen sich aus dem Meere zu erheben, so die Basalttuffe der Riegersburg, des Steinberges, des Kapfen-steinerkogels, des Rohrkogels und des Wierberges, und im äussersten Osten des Felsenkogels von Güssing, welchen später weitere Er-hebungen folgten, so namentlich der Hochstraden. Mehr und mehr erhob sich die Gegend um Gleichenberg und damit verliefen sich auch die grossen Wassermassen, nur einzelne kleine Südwasserbecken zurücklassend, und nun begann sich eine reiche, nach unseren heutigen Begriffen tropische Vegetation zu bilden, welche, in Schotter, Lehm und Sandschichten eingebettet, in so wunderbar vollständiger Weise uns überliefert wurde, dass Prof. Dr. Unger daraus genau die fossile Flora Gleichenbergs bestimmen konnte. Namentlich in Waldsberg und Absetz zeigen sich Blatt-
Die nordöstliche Steiermark Eine Wanderung durch vergessene Lande
Titel
Die nordöstliche Steiermark
Untertitel
Eine Wanderung durch vergessene Lande
Autor
Ferdinand Krauss
Verlag
-
Ort
Graz
Datum
1888
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
10.93 x 17.9 cm
Seiten
498
Kategorien
Geschichte Vor 1918