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Vor 1918
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
Seite - 103 -
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Vom patriotischen Volkslied zur nationalen Kaiserhymne 103 lenden Künste – nahm die Hymne nun eine doppelte Funktion ein: Sie präsentierte nach wie vor das Volk als Überbringer von Glückwünschen, repräsentierte aber auch den abwesenden Kaiser. Das ‚Wiener Aufgebot‘ Dieser Ablösungsprozess von einer konkreten Situation war auch nötig, um die in- tendierte politische Funktion des Lieds in den Vordergrund rücken zu lassen. Zur Zeit der Auftragsvergabe, Mitte 1796, war das Habsburgerreich ganz konkret von Napoleons Truppen bedroht, die vor allem in Italien stetig vorrückten und das kai- serliche Heer in eine sehr bedrängte militärische Lage brachten. Wie bereits oben, im Zusammenhang mit der Wahl des Textdichters Haschka, erwähnt, wurde schon im Herbst desselben Jahrs ein 1.400 Mann starkes Bataillon von Freiwilligen entsen- det, um die militärischen Aktionen in Mantua zu unterstützen. Bei diesem ‚Corps der Wiener Freywilligen‘ handelte es sich um Bürger, die für ihre Verpflegung und Ausrüstung selbst aufkamen. Saurau ahnte wohl schon damals, dass es mehr Unter- stützung aus dem Volk brauchte, um der Bedrängnis Herr zu werden. Tatsächlich ging Mantua am 2. Februar 1797 verloren, und das Freiwilligen-Korps geriet in fran- zösische Gefangenschaft.26 Ob nun das Projekt ‚Kaiserhymne‘ unmittelbar mit einer längerfristig geplanten allgemeinen Mobilmachung der Wiener Bevölkerung in Verbindung stand oder sich die historischen Umstände erst kurzfristig in diese Richtung hin entwickelten, ist im Rückblick schwer zu sagen.27 Nach dem Fall Mantuas fiel jedenfalls ganz Oberitalien in die Hände der Napoleonischen Truppen, die in den folgenden Wochen bis in die Südsteiermark vorstießen. Als diese bedrohlichen Nachrichten Anfang April Wien erreichten, wurde erstmals auch der Bevölkerung die unmittelbare Bedrohung dras- tisch bewusst. Viele Adelige verließen die Stadt, die Banken und Schulen wurden geschlossen. Nach einem Aufruf des Kaisers, in dem er an den ‚Nationalgeist‘ seiner Untertanen appellierte, kundgetan von Graf Saurau, und einer Rede Sauraus an die Standesvertreter im Rathaus wendete sich die bedrückte Stimmung (Abb. 3). Ein patriotischer Enthusiasmus wurde entfacht und der Aufforderung zur Landesvertei- digung begeistert Folge geleistet. Am 17. April 1797 verließ ein Freiwilligenheer von rund 40.000 Mann nach Fahnenweihe und abgelegtem Eid die Stadt.28 Auch wenn diese kriegsbegeisterte Truppe schlussendlich nicht zum Einsatz kam – denn nach einem eilig erklärten Waffenstillstand kehrte man schon nach drei Wochen ohne jede Kampfhandlung wieder in die Heimatstadt zurück –, so hatte diese gemeinschaftli- che Aktion doch einen großen sozialen Zusammenhalt im Volk hergestellt und ging als ‚Wiener Aufgebot‘ in die Geschichte ein.
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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur 1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
Titel
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
Untertitel
1618–1918
Herausgeber
Werner Telesko
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20507-4
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
448
Kategorien
Geschichte Vor 1918
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