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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
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110 Sektion I: Themen und Medien der Repräsentation einer Aufführung in einer Militärstation in Siebenbürgen in walachischer Sprache haben wir Nachricht.49 Immer wieder liest man von Aufführungen von Gott erhalte bei Feldmessen, Siegesfeiern, Jahrestagen von wichtigen Schlachten oder Truppenbe- sichtigungen, gespielt von der Militärmusik. Die offizielle Installierung der Hymne im Jahr 1826 als Parademusik für das Militär50 scheint demnach nicht – wie oft be- hauptet – der Beginn ihrer Funktion als Nationalhymne zu sein, sondern schließt viel eher eine Entwicklung ab, in der sich die Funktion der Melodie von der Volkshymne zur Kaiserhymne wandelte. Sie ist letztlich der Beweis, dass Graf Sauraus Plan voll und ganz aufgegangen war. Die Variabilität der Hymne Dass bekannte Melodien gerne mit neuen Texten versehen werden, ist ein häufiges Phänomen von populärer Musik. Es ist einerseits ein Zeichen für deren Beliebtheit, andererseits aber auch selbst Motor für deren Verbreitung. Die Tatsache, dass Gott erhalte nicht als Nationalhymne, sondern als Volkslied eingeführt wurde, hatte zur Folge, dass es von Anfang an einem solchen Prozess der Kontrafaktur unterworfen war. Ein sehr frühes Beispiel für eine Umtextierung mit politischem Hintergrund ist ein Gastmahl im Wiener Augarten, das am 21. Mai 1797 von der Innung der Gold- und Silberschmiede zu Ehren der Unterstützer des ‚Wiener Aufgebots‘ veran- staltet wurde. Bei der Tafel sprach man „unter Trompeten und Paukenschall“ einen Toast auf die Gesundheit des Kaisers aus. „Sodann aber ward ein mit der Aufschrift: Bürgergefühl, gedrucktes Lied, nach der Melodie des beliebten Volksgesangs: Gott erhalte unseren Kaiser […] mit ungemeiner Rührung abgesungen, welche dieses Gastgeboth zu einem wahren patriotischen Bürgerfeste machte.“51 Dass die Melodie nach verhältnismäßig kurzer Zeit schon tief im Volk verwurzelt war, belegt eine weitere Passage, die auf ein anderes soziales Umfeld hinweist. In ei- nem der Eipeldauer Briefe liest man, dass bei einer Tanzveranstaltung auf dem Wiener Schottenfeld die Tanzpaare einen bedruckten Zettel in der Hand hatten und während des Tanzens ein Lied nach der Melodie Gott erhalte unseren Kaiser gesungen hätten.52 Die Beispiele für Neutextierungen sind zahlreich. Zum einen wurden damit in- nerhalb des Kaiserreichs weitere Mitglieder des Kaiserhauses, die man ebenfalls unter den Schutzschirm Gottes stellen wollte, angesprochen: der sehr beliebte, als Kriegs- herr erfolgreiche Erzherzog Karl mit „Gott, erhalte Karl den Helden!“ oder die Kai- serin durch „Lange lebe Ludovike, Unsre holde Kaisern!“. Auch aktuelle politische Ereignisse fanden Eingang in den Text. So hieß es etwa zum Ende des Zweiten Koali- tionskriegs: „Friede bringt dem Lande Seegen [sic!], Friede ist des Landes Heil!“, ab- gesungen 1802 im vaterländischen Theater in Prag.53 Zum anderen trat die Melodie
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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur 1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
Titel
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
Untertitel
1618–1918
Herausgeber
Werner Telesko
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20507-4
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
448
Kategorien
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