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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
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Vom patriotischen Volkslied zur nationalen Kaiserhymne 111 auch über die österreichischen Grenzen, wenn sie in Hamburg als Gesellschafts-Lied und als Volkslied für Hamburgs glückliche Bürger, in Berlin als Freimaurer-Gesang und in Paris als Offertorium für den katholischen Gottesdienst in Druck ging.54 Auffällig ist, dass in diesen Publikationen Haydn als Autor genannt wurde und man mög- licherweise bloß die instrumentale Melodie des Streichquartettsatzes textierte und nicht bewusst die habsburgische Kaiserhymne umdichtete.55 Tatsächlich scheint es weniger der Text als vielmehr die konstante Melodie zu sein, die im österreichischen Kaiserreich sehr bald Repräsentationsfunktion übernahm. Schließlich wurde Gott erhalte schon kurz nach seiner Entstehung in die wichtigsten Landessprachen des Vielvölkerstaats übersetzt, was der Wirkung der Hymne keinen Abbruch tat. Und auch in den folgenden Jahrzehnten musste sie im Zuge der Herr- scherwechsel mehrmals ihren Text ändern. Das Schicksal der Hymne in den nächsten hundert Jahren war bewegt und soll hier nicht mehr dargestellt werden. Am folgenschwersten war wohl die Neutextie- rung von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, die als Das Lied der Deutschen 1841 als Aufruf zur nationalen Einigung im Deutschen Bund veröffentlicht wurde. Spätestens mit der Wahl des patriotischen Lieds zur Nationalhymne der Weimarer Republik hatte die Melodie auch offiziell das Land gewechselt. Heute verbindet man mit der gesungenen dritten Strophe von Fallerslebens Text („Einigkeit und Recht und Freiheit“) die aktuelle offizielle Staatshymne der Bundesrepublik Deutschland.56 In England und den USA kennt man die Melodie hingegen als Kirchenlied.57 Dass mit dem Ende des habsburgischen Kaiserreichs auch dessen Hymne aufgege- ben werden musste, ist letztlich auch ein Zeichen ihrer starken symbolischen Verbun- denheit mit diesem historischen Staatengefüge. Als allerletzter Nachklang kann ihre Inszenierung im Requiem für Otto von Habsburg verstanden werden, das am 16. Juli 2011 in der Stephanskirche von Erzbischof Christoph Schönborn zelebriert wurde. Am Ende der Zeremonie, kurz bevor der Sarg in die Kaiserkrypta überführt wurde, kündigte der Kardinal das Singen der Kaiserhymne an, indem er geschickt Worte aus deren letztgültiger Textfassung als letzten Gruß an den Verstorbenen einflocht.58 Er nannte sie „alte Volkshymne“ und ersetzte den Habsburgischen Thron mit der Geschichte der Familie: „Innig bleibt mit Habsburgs Throne / Österreichs Geschick vereint“ wurde zur „untrennbar mit der Geschichte unseres Landes verbundene Ge- schichte der Familie“ umformuliert. Seiner Rede setzte er die Krone auf, wenn er aus den Zeilen „Mächtig durch des Glaubens Stütze / Führ’ er [der Kaiser!] uns mit weiser Hand!“ das Schlusswort gestaltete, indem er die Person des Kaisers durch Gott ersetzte: „Möge uns alle Gott beschützen und uns führen mit weiser Hand.“ Dass Text und Melodie hier nun eindeutig keine Volkshymne mehr darstellen, sondern zu- mindest in der Republik Österreich nach wie vor die alte monarchistische Ordnung
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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur 1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
Titel
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
Untertitel
1618–1918
Herausgeber
Werner Telesko
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20507-4
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
448
Kategorien
Geschichte Vor 1918
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