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136 Sektion I: Themen und Medien der Repräsentation
karolinischen Symbole und Tugenden. Dies hat Franz Matsche als Bestandteile der
sogenannten Kaiserstilprogrammatik beschrieben.1
Während der Regierung Karls VI. erlebten beim Wiener Hof auch die
Hofmusikkapelle und das Hoftheater ihre Blütezeit: Persönlichkeiten wie der
Hofkapellmeister Johann Joseph Fux, der Vizekapellmeister Antonio Caldara, die
Hofkomponisten Francesco Bartolomeo Conti, Giuseppe Porsile und Carlo Agostino
Badia, die Librettisten Apostolo Zeno, Pietro Pariati und später Pietro Metastasio
sowie die Bühnenarchitekten Ferdinando und Giuseppe Galli Bibiena waren hier
angestellt. Regelmäßig fanden bei Hof weltliche musikdramatische Aufführungen
statt: im Fasching und anlässlich der Galatage, d. h. Geburts- und Namenstage Karls
VI., seiner Gemahlin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel und ihrer
Töchter Maria Theresia (geb. 1717) und Maria Anna (geb. 1718) sowie bei anderen
Gelegenheiten.
Den höchsten Rang unter den Galatagen hatten der Geburtstag der Kaiserin
Elisabeth Christine am 28. August und der Namenstag Karls VI. am 4. November
inne. Zum Geburtstag der Kaiserin war es üblich, eine große Opernaufführung –
eine sogenannte augustinische Oper2 – im Garten der Favorita zu veranstalten. Am
4. November wurde regelmäßig eine sogenannte karolinische Oper im Hoftheater
aufgeführt. In beiden Fällen handelte es sich gewöhnlich um drei- oder fünfaktige
drammi per musica oder um feste teatrali (Huldigungswerke mit dramatischer
Handlung). In den musikdramatischen Werken, die zu diesen Gelegenheiten
entstanden, sind in den einleitenden Sinfonien Trompetenchöre mit Pauken
üblicherweise doppelt besetzt.
Dagegen wurden die anderen zwei Galatage – der Geburtstag Karls VI. am 1.
Oktober und der Namenstag der Kaiserin am 19. November – gewöhnlich nur mit
einer einaktigen festa di camera oder festa teatrale per musica gefeiert, in deren einfacher,
auf Huldigung zielenden Handlung verschiedene mythologische oder allegorische
Gestalten auftraten. Diese Werke können zur Gattung der Serenata gerechnet werden.
Die Einleitungssinfonien zu diesen Werken sind üblicherweise ohne Trompetenchöre
besetzt.3 Nach der Sinfonia folgt gewöhnlich ein kurzer Prolog und danach eine oder
mehrere Reihen von solistischen Da-capo-Arien, die mit Secco-Rezitativen eingeleitet
werden. Die auftretenden römischen Götter, die personifizierten Tugenden oder
Himmelskörper besingen in diesen Arien die Eigenschaften und Tugenden des
gefeierten Mitglieds des Kaiserhauses und reflektieren gleichzeitig durch verschiedene
Anspielungen auch die aktuelle dynastisch-politische Situation. Je nach Gelegenheit
und Umfang des Werks können ein oder mehrere Chorauftritte eingesetzt werden.
Jedes Werk wird mit einer Licenza abgeschlossen, in der sich die handelnden Figuren
mit der Huldigung direkt an Kaiser oder Kaiserin wenden.
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918