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Vor 1918
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
Seite - 210 -
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210 Sektion II: Herrscher, Staat, Nation schen Frührenaissance“18 gebildet worden. Er sollte auf diese Weise zwischen dem 1873–1883 errichteten neogotischen Wiener Rathaus und dem nördlich gelegenen, 1873–1884 erbauten Universitätsgebäude im Stil der Neorenaissance vermitteln, die turmgeschmückte Silhouette des Rathauses sollte in der belebten Dachlandschaft der Arkadenbauten mit ihren gestaffelten Volutengiebeln ausklingen.19 Die am Kom- mandogebäude in Hermannstadt verwendeten Formen rekurrieren hingegen auf Vorbilder der italienischen Hochrenaissance von Bramante bis Palladio; seine hohen, gekappten Walmdächer entstammen dem französischen repräsentativen Profanbau der frühen Neuzeit. Eine ähnliche Kombination an Gestaltungmitteln weist auch der 1873–1875 von Eugen Schweigel gestaltete Mosertrakt der Wiener Stiftskaserne an der Mariahilferstraße auf, die als k. u. k. Militärbau der Bezugspunkt dieser Modus- variation gewesen sein könnte.20 Das auffälligste Motiv der Dachlandschaft der Wiener Arkadenbauten wie des Her- mannstädter Kommandogebäudes stellen die mit Lambrequins und Quasten deko- rierten Glockenkuppeln über den Eckrisaliten dar. Sie haben ihr historisches Vorbild in der Kuppel der Nordfassade des Winterreitschultrakts der Hofburg von 1734.21 Dabei handelte es sich um jenen Teil der projektierten stadtseitigen Eingangsfassade der Wiener Hofburg nach dem Entwurf von Joseph Emanuel Fischer von Erlach, der bis zum Tod Karls VI. tatsächlich realisiert werden konnte. Dieses Fragment besteht aus zwei rahmenden Risaliten und einer konvex gerundeten Mittelachse, das Sockel- geschoss ist rustiziert, die Obergeschosse durch Kolossalordnungen gegliedert, die ein verkröpftes Gebälk tragen, über dem sich eine Attikazone mit Skulpturenschmuck und die besagte Kuppel erheben. Anders als die Arkadenhäuser, die lediglich einfa- che Eckrisalite aufweisen, rezipiert die turmartig gestaltete Ecke des Hermannstädter Korpskommandogebäudes diesen Fassadenaufbau recht genau, wobei allerdings die Mittelachse nicht gerundet, sondern polygonal abgeschrägt ist; entsprechend erhebt sich die Kuppel nicht über rundem, sondern über oktogonalem Grundriss. Ursächlich hierfür dürften weniger funktionale, bautechnische oder -rechtliche Gründe gewesen sein als vielmehr ein Bestreben, das barocke Motiv in das der Renaissance verpflichtete Erscheinungsbild des Gebäudes einzupassen.22 Die Nordfassade des Winterreitschul- trakts wurde mit ausdrücklicher Zustimmung Kaiser Franz Josephs I. zum Ausgangs- punkt der zeitgleich zum Bau des Korpskommandogebäudes erfolgten Vollendung des Michaelertrakts der Hofburg, dessen südöstliche Ecke sie fortan bildete. Das Kuppel- motiv wurde dabei noch zweimal hierarchisch abgestuft wiederholt (Abb. 4).23 Der Michaelertrakt wurde als stadtseitige Schauseite der Hofburg schon bald zu deren „Si- gnet“ und zum kanonisierten „Wahrzeichen des österreichischen Kaisertums“ insge- samt, das medial eine enorme Verbreitung fand.24 Das Kuppelmotiv und die abgerun- dete Reitschulfassade waren jedoch schon zuvor – seit Carl Königs Philipp-Hof von
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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur 1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
Titel
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
Untertitel
1618–1918
Herausgeber
Werner Telesko
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20507-4
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
448
Kategorien
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