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232 Sektion III: Netzwerke
der Sammlung durch den Entscheidungswillen des Sammlers geformt wurde, ermög-
licht er den Einblick in eine ‚personalisierte‘ Rezeption der kaiserlichen Ikonogra-
phie.
Zwei Fragen sind in diesem Zusammenhang besonders relevant: 1. Was hat Val-
vasor in Bezug auf den Kaiser überhaupt gesammelt und aufbewahrt? 2. Hat der
krainische Sammler als praktizierender Künstler und Wissenschaftler ein verstärktes
und spezifisches Interesse an bestimmten, den Kaiser betreffenden Graphiken und
Buchillustrationen gehabt? Die Bestandsaufnahme bringt uns zu der Erkenntnis, dass
die medialen Produkte in der Sammlung Valvasor nicht nur als ein mögliches Mus-
terbeispiel für die Resonanz der kaiserlichen Imagewerbung in den Kreisen adeliger
Zeitgenossen – vor allem in der Provinz – zu bewerten wären, sondern dass sie auch
als ein Zeugnis der spezifischen Interessen des Sammlers in Hinsicht auf den Kaiser
verstanden werden müssen.
Man darf mit Recht vermuten, dass Johann Weichard Valvasor dem Kaiser be-
kannt war. In seinem Hauptwerk Die Ehre des Herzogthums Krain (1689) schildert
Valvasor sein Projekt für den Bau eines Tunnels unter dem Loiblpass zwischen Krain
und Kärnten, das er bereits um das Jahr 1679 entworfen hat. Den Bau wollte er selber
finanzieren, aber da das Ganze doch für ihn allein zu teuer war, wandte er sich an
Leopold mit der Bitte um finanzielle Unterstützung: „[…] ich verlangte für meine
Mühe und Unkosten von ihrer Keyserl. Majestet einen ewigen Zoll nebenst einer
gewissen Bey-Hülffe: welcher Zweck aber bey so trübseligen und gesperrten Zeiten
der Contagion nicht zu erreichen war.“5 Die in Wien grassierende große Pest und ihre
Folgen vereitelten offenbar jegliche Unterstützung seitens des Kaisers.
Während der Kaiser über das Tunnelbauprojekt des krainischen Barons wahr-
scheinlich durch die Hofkanzlei informiert wurde und dazu eine eher zurückhaltende
Position bezog, schenkte Valvasor dem Kaiser viel mehr Aufmerksamkeit und zwar
nicht nur als Sammler sondern auch als Verfasser. Im dritten Teil seines ‚Ehrenwerks‘,
das von den Landesfürsten und Herzögen in Krain handelt, widmete er das letzte
Kapitel Leopold I. und seiner Regierung.6 In dieser zusammengefassten Biographie
des Kaisers schilderte Valvasor unter anderem den Besuch und die Erbhuldigung des
jungen Monarchen in Laibach, die während seiner großen Reise zu den südlichen
Erb ländern, d. h. Steiermark, Kärnten, Krain, Görz und Triest, im Sommer und
Herbst 1660 stattfand.7 Valvasors Schilderung des hohen Besuchs, gedruckt fast 30
Jahre nach dem Ereignis, ist sehr lebhaft und detailliert, als ob sie von einem Au-
genzeugen mit gutem Gedächtnis oder mit ausführlichen Notizen verfasst worden
wäre. Für Valvasor selbst war es wohl von großer Bedeutung, ausdrücklich Carolus
Valvasor, seinen ältesten Bruder, zu erwähnen, der unter den zahlreichen Tischgästen
beim großen Bankett anwesend war. Somit konnte er den Rang seiner Familie inner-
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918