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238 Sektion III: Netzwerke
fertiggestellt, „wenn wir nicht durch die Kriegswirren, verursacht durch unseren
schlimmen Nachbar, den Türken, an der Fertigung derselben verhindert worden wä-
ren“.24 Es handelte sich also um den Entwurf eines überlebensgroßen Reiterdenkmals
des Kaisers in der krainischen Hauptstadt, von welchem Valvasor wahrscheinlich ein
Wachsmodell angefertigt hatte, um es den Herren im Krainer Landtag vorzuführen.
Auf Basis dessen konnte dann auch ein Kostenvoranschlag für das Denkmal erstellt
werden. Als Vorlage für seinen Entwurf hätte Valvasor natürlich gut das oben be-
schriebene graphische Reiterbildnis des Kaisers benutzen können.25
Valvasor besaß noch vier weitere Reiterbildnisse des Kaisers, aber das Beschriebene
war für sein Vorhaben wohl das Passendste.26 Es führt in harmonisch übersichtlicher
Komposition die vornehmste Disposition von Reiter und Pferd vor Augen, um den
Betrachter durch die erhabene Entschlossenheit des Herrschers sofort zu beeindru-
cken. Daher darf wohl mit Recht vermutet werden, dass Valvasor für den Entwurf
seines Reiterdenkmals tatsächlich das illustrierte Flugblatt mit Linienraster benutzt
hat. Das Denkmal in Laibach wäre das erste monumentale Reiterbildnis des Kaisers
aus dauerhaftem Material im öffentlichen Raum überhaupt gewesen, denn alle be-
kannten Reiterbildnisse Leopolds I. sind Reiterfiguren im Kunstkammerformat bzw.
Kabinettstücke aus Elfenbein, Bronze oder Eisen.27 Andere uns bekannte Reiterdenk-
mäler wurden aus vergänglichem Material angefertigt. So wurden für den Besuch des
Kaisers anlässlich der anfangs erwähnten Erbhuldigungsreise 1660 in Klagenfurt und
in Gradisca auf dem jeweiligen Hauptplatz Holzsäulen mit dem Bildnis des Kaisers
zu Pferd errichtet.28 Es handelte sich um ephemere Kunstwerke, nicht um Denkmäler
mit einem Anspruch auf Dauer, auch wenn einige von ihnen über lange Zeit stehen
blieben und teilweise in später überarbeiteter Form noch heute vorhanden sind.29
Heiratsgraphik und Theaterserie Pomo d’oro
In die Gruppe der Reiterbildnisse des Kaisers gehört auch das Flugblatt mit dem
Doppelbildnis von Leopold I. und Margarita Teresa (Abb. 4), gestochen von Hans
Jakob Schollenberger, ediert von Johann Hoffmann in Nürnberg anlässlich der kai-
serlichen Hochzeit mit der spanischen Prinzessin 1666.30 Die spanische Hochzeit des
Kaisers war ein Medienereignis ersten Rangs und brachte einen riesigen publizisti-
schen Aufwand mit sich.31 Dieses repräsentative Schaustück mit dem frisch getrauten
Ehepaar in vornehmster Ausstattung ist eine besonders interessante Medieneinheit
vor allem wegen der erotischen Symbolik, die durch die beiden Reitpferde offenbar
wird. Das mächtige, kraftstrotzende, kaum zu bändigende kaiserliche Ross trägt auf
der Stirn das Symbol der Sonne. Hinter und neben ihm schreitet das sanftere Tier,
die Stute der Kaiserin, die mit einem erwartenden, leise verführerischen Blick in die
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918