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Vor 1918
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
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252 Sektion III: Netzwerke Die Tagebücher Bei den Tagebüchern handelt es sich um insgesamt 18 Hefte in Quartformat, die Kai- ser Karl VI. (reg. 1711–1740) von 1707 bis 1740 führte.1 Er folgte dabei durchaus einer habsburgischen Tradition, denn auch von seinem Vater Kaiser Leopold I. sind Schreibkalender erhalten.2 Die Notizen Karls VI. sind zumeist kurz, häufig umfassen die Einträge zwischen zwei und drei Zeilen. Umfangreicher sind sie etwa bei Todes- fällen, oder wenn der Kaiser Lücken in den Aufzeichnungen kommentiert und das Geschehen kurz zusammenfasst. Solche Lücken sind nicht häufig; sie können einige Tage, wie während der Krankheit seiner Mutter 1720, oder ganze Monaten, wie nach dem Tod des nur wenige Monate alten Sohns Leopold Johann 1716, umfassen. Alle Einträge setzen mit dem Wochentag und Tagesdatum sowie der Uhrzeit des Aufste- hens ein. Es folgen Messen, Beratungen oder auch einfach Jagdausflüge. Stets wird der Eintrag mit dem Verweis auf das Mittagessen unterbrochen, dann notierte Karl VI. schlaglichtartig die Ereignisse des Nachmittags und auch des Abends. Er reiht dabei (oft abgekürzte) Schlagwörter aneinander, schreibt also nicht in ganzen Sätzen. So steht ‚neg‘ für negotia oder ‚dep‘ wohl für den Umgang mit Depeschen. Der Kaiser greift auf ein repetitives Standardformular an Wortgruppen zurück, und die abgekürz- ten Namen oder Hinweise auf Beratungsthemen oder Festlichkeiten lassen sich oft nur über die Kenntnisse zu den Ereignissen aus anderen Quellen erschließen. Die Lesbarkeit der Notizen wird durch die enge und unleserliche Schreibweise des Kaisers zusätzlich erschwert. Die beinahe mechanische Aufzählung der eigenen, sich wiederholenden Tagesaktivitäten legt die Deutung der Notizen auch als Rechen- schaftsbericht Karls VI. für sich selbst nahe, der sich damit wohl für einen künftigen, innerfamiliären Leserkreis als arbeitsamer und pflichterfüllender Monarch darstellt bzw. darstellen will. So verweist er darauf, wenn er ‚faul‘ gewesen sei oder sehr häufig eben ‚vill‘ gearbeitet habe. Nichtsdestotrotz tritt der Kaiser in den Notizen durch- aus auch als ‚Ich‘ entgegen, etwa wenn er seine Stimmungslage erwähnt, also ob er traurig oder melancholisch ist. Auch geht er auf die äußeren Wetterbedingungen ein und notiert große Hitze, Regen oder Nebel, der ihn vom Jagdvergnügen abhält. Sehr deutlich treten Gemütszustände Karls VI. bei Todesfällen in seiner unmittelbaren Nähe zu Tage, etwa Anfang 1720 beim Tod seiner Mutter, deren letzte Tage eine Lü- cke in die sonst alltägliche Tagebuchführung reißen. Nahe geht dem Kaiser auch der persönliche Verlust seines Vertrauten Johann Michael Graf Althann, der noch nach seinem Tod am 16. März 1722 regelmäßig Eingang in die Notizen Karls VI. findet. Obwohl die Tagebuchnotizen zwar oft nur schwer lesbare, sich wiederholende Schlagwörter zum Alltag des Kaisers beinhalten, der sich auch aus anderen Quellen wie dem Wienerischen Diarium erschließen lässt, bieten sie durch die persönlichen
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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur 1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
Titel
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
Untertitel
1618–1918
Herausgeber
Werner Telesko
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20507-4
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
448
Kategorien
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