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258 Sektion III: Netzwerke
verwies er etwa auf Kirchgänge in die Augustinerkirche, die Michaelerkirche oder
zu den Schotten. Hinweise auf die gehaltenen Zeremonien oder die Ausstattung der
Kirchen fehlen praktisch völlig.13 Beim Eintrag waren für den Kaiser also das Amt
selber und sein Besuch relevant.
Zwar sind die Tagebücher zu konkreten Fragen des Zeremoniells wenig ergiebig,
doch zeigen regelmäßige Verweise auf diese, dass der Kaiser sie ernst nahm. So no-
tierte er etwa Abweichungen bei der Audienz des französischen Botschafters am 8.
November 1725 („etlich verstoss wegen cerem[oniell]“), als der kaiserliche Leibwagen
des Botschafters wegen des starken Regens in der Einfahrt stehen bleiben musste,
statt in den Hof einzufahren.14 Im Vorfeld der Prager Krönung verwies der Kaiser
auf die Zeremonien bzw. das Zeremoniell und die Wichtigkeit seiner Einhaltung
(5. September 1723). Bei der Krönung der Kaiserin notierte er dann erleichtert:
„k[ai]s[eri]n wohl, kein anstos, alls gut“ (8. September 1723). In den Aufzeichnun-
gen wird jedenfalls auch deutlich, dass die Sorge um die schwangere Gattin während
des Aufenthalts in Prag stets mitschwang.
Im alljährlichen Wiener Festkreislauf nahmen musikalische Darbietungen einen
festen Platz ein und sind daher wenig überraschend auch in den Notizen des Kaisers
gegenwärtig. So hielt er die an seinem Namenstag bzw. am Geburtstag Elisabeth
Christines abgehaltenen Opernaufführungen fest und vermerkte auch die Wirtschaf-
ten, Maskeraden, Kavalierskomödien und Faschingsopern. Bei allen diesen Belusti-
gungen verwies Karl VI. regelmäßig auf ihren Beginn und ihr Ende. Zur Wirtschaft
am Faschingsdienstag 1725 notierte er: „nachmit[tag] bey weib, kinder, [Kostüm]
anlegen, 7 ½ wyrtschaft, 8 ½ essen, 10 ¼ tandz, alles 3 aus, vor 4 bett“ (13. Februar).
Zu den musikalischen Darbietungen finden sich durchaus auch kritische Kommen-
tare, etwa dass eine Aufführung bzw. die Musik „gut“, „wohl“ oder eben „lang“ ge-
wesen sei. Exemplarisch kann auf die relativ frühe Beteiligung seiner Tochter Maria
Theresia an einem Stück am 3. Februar 1722 verwiesen werden, die sich beim Tanz
bewährte („umb 6 caval[ier] comedi, madl Teres tanzt, wohl halten“).
An den genannten Stellen kann das Musikinteresse des Kaisers deutlich gemacht
werden. Auch hielt er die Feste des Wiener Hofes neben jenen des Kirchenjahrs und
dem Arbeitsalltag fest. Unerwähnt bleiben nach derzeitigem Bearbeitungsstand in
den betreffenden Jahren hingegen die Träger der kaiserlichen Musik, etwa Hofkapell-
meister Johann Joseph Fux oder Vizehofkapellmeister Antonio Caldara.
Bildende Kunst und Bauprojekte in den Tagebüchern
Trotz der intensiven Bautätigkeit, die sich etwa im Bereich der Wiener Hofburg für
den Betrachtungszeitraum nachweisen lässt (Bau der Österreichischen Hofkanzlei,
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918