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Habsburgische Propaganda des kaiserlichen Botschafters 265
liche Botschafter bankrottierten infolge ihrer diplomatischen Karriere,4 denn ihre
exorbitanten Dienstausgaben mussten sie zur Gänze aus eigener Tasche bestreiten
und konnten erst viel später mit einer Kompensierung (häufig in Form eines Hofpos-
tens) rechnen. Im Vergleich mit anderen europäischen Botschafterposten galt derje-
nige in Rom (ähnlich wie jener in Paris) als prestigeträchtigster, aber auch als teuers-
ter.5 Bei der Auswahl eines geeigneten Adepten spielte daher sein Reichtum immer
eine wichtige Rolle. Graf Gallas kalkulierte im Voraus die Kosten seiner geplanten
vierjährigen römischen Mission auf insgesamt 650.700 Gulden. Für die 180 Mitglie-
der des Personals und die 80 Pferde (bzw. Maultiere) rechnete er 120.000 Gulden, für
die Ausstattung des Palais‘ schlugen 80.000 Gulden zu Buche, für die 15 (Parade- so-
wie Alltagskutschen) und 100 Sommer- und Winter-Livreen kamen 200.000 Gulden
dazu. Auf weitere 30.000 Gulden schätzte man die Reisekosten.6 Zum Vergleich: Der
Wert einer ansehnlichen Herrschaft (z. B. der Czernin’schen Herrschaft Kosmonos in
Ostböhmen) lag damals bei rund 102.000 Gulden.7
Nichtsdestotrotz galt dieser extrem aufwändige römische Posten als Gipfel einer
diplomatischen Karriere sowie als Auftritt auf der prächtigen ‚Hauptbühne‘ des eu-
ropäischen Barocks. Die bisherige kaiserliche Hegemonie wurde durch die expansive
Politik Ludwigs XIV. schwer gefährdet, was zur Folge hatte, dass man sich mit allen
Mitteln – einschließlich der bildenden Künste – im Sinne einer visuellen Propaganda
verteidigen musste. Das kam insbesondere in Rom zur Geltung, wo die Großmächte
um den Einfluss auf die päpstliche Politik rangen. Der jüngeren Forschung zufolge
stellte das barocke Rom eine – durch die päpstliche Bürokratie gehemmte – unpro-
duktive und in der Melancholie der Protzerei versinkende Konsumstadt dar. Die
tatsächliche ökonomische Bedeutungslosigkeit des römischen Adels wurde durch das
Festhalten am Luxus und ein höchst kompliziertes Zeremoniell kompensiert.8 Ob-
wohl der Nepotismus im Jahr 1692 formal abgeschafft worden war, bestätigt das Bei-
spiel Clemens’ XI. Albani (1700–1721) und dessen Neffen – die Kardinäle Annibale
(1682–1751) und Alessandro Albani (1692–1779) – einen andauernden, starken
Einfluss der Mitglieder der päpstlichen Familien.9 Die höchsten exekutiven Posten
in der Struktur des päpstlichen Staats bekleideten die Kardinal-Minister (Segretario
dello Stato, Governatore di Roma, Auditore della Camera, Tesoriere Generale u. a.). Der
Sozialhierarchie sowie dem Zeremoniell entsprechend folgten nach den Kardinälen
die königlichen und andere Botschafter und Herzoge, dann die römischen prencipi
del Soglio Colonna und Orsini, Reichsfürsten, die spanischen Granden, die Häupter
des stadtrömischen Patriziats und Nepoten verstorbener Päpste und schließlich die
restliche römische Aristokratie.10
Der nächste naheliegende Verbündete des Botschafters war der Kardinalprotek-
tor des Reichs (Cardinal Germaniae). In den Jahren 1712–1725 hatte dieses Amt
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918