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Vor 1918
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
Seite - 295 -
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Musikdramatische Aufführungen als Spiegel musikalischer Feste am Wiener Kaiserhof 295 Il delizioso ritiro scielto da Lucullo, console Romano (1738) Die Huldigungsoper Il delizioso ritiro scielto da Lucullo, console Romano wurde im Auftrag Questenbergs für den Geburtstag seiner zweiter Gattin, Maria Antonia von Kaunitz, komponiert und am 13. Juni 1738 aufgeführt. Man kann aufgrund des Ti- tels und einiger Anspielungen im Text annehmen, dass mit diesem Werk auch an den im Februar 1738 gefeierten 60. Geburtstag des Grafen erinnert werden sollte. Der deutsche Titel des Librettos lautet Das von Lucullo Röm: Consul erwehlte an genehme Land-Leben. Der römische Konsul Lucius Licinius Lucullus, aus der Geschichte auch als großer Kunstmäzen und gelehrter Bücherfreund, aber auch als genießerischer Gourmet bekannt, wird im Argomento als „einer der tapfersten Feldherren“ vor- gestellt. Die Grundlage des Librettos findet sich bei Plutarch, doch wurde in die Handlung Lucullus’ Tochter Hortensia einbezogen und eine weitere, der historischen Erzählung nicht entsprechende Handlungslinie eingefügt. Augenfällig sind erneut die Parallelen im Leben und Wirken des römischen Konsuls und Questenbergs, der damit wiederum eigentlich als Spiegelbild seiner selbst auf der Bühne steht: Beide wählen ein angenehmes Leben auf dem Land, wo sie sich ganz den von ihnen ge- schätzten Beschäftigungen widmen können. So kann man im deutschsprachigen Argomento des Librettos u. a. lesen, dass Lucullus „[...] sich in ein seiniges Land- Lust-Gebäude verfügte, alldorten auch nach angeschafft eines deren vortreffichsten Bücher-Schätzen, so jemals zu finden waren, der Welt-Weiβheit oblage, und in Hal- tung deren gelehrtesten Unterredungen, und herrlichsten Gast-malen mit seinen Freunden das glückseligste Leben führete.“ Dies kommt einer Charakterisierung von Questenbergs Leben in Jarmeritz gleich. In der Licenza wird dieser Aspekt nochmals betont: Es tritt Il Genio di Jaromeriz (der Schutzgeist von Jarmeritz) auf, um ein abschließendens Lob auf das hochherrschaftliche Paar zu singen, womit er zweifellos erneut stolz auf Questenberg und seine Stadt hinweisen soll. Doch noch ein weiterer Huldigungsaspekt wird in die Licenza gepackt: Neben Il Genio di Jaromeriz tritt auch Imeneo/Hymenaeus, der Gott der Vermählung und Beschützer der Ehe auf, denn es gilt schließlich auch die junge Ehe Questenbergs mit Maria Antonia von Kaunitz, der Tochter seines Freundes Maximilian Ulrich Graf von Kaunitz, zu feiern, die erst im April 1738 geschlossen worden war, also einige Monate vor der Premiere des Werkes. Im Fall der schon besprochenen Oper L’amor non ha legge wird vor allem die Diskrepanz zwischen dem Leben am Hof und dem Leben auf dem Land betont. An diese Idee knüpft das Libretto von Il delizioso ritiro scielto da Lucullo an. Der Konsul – also Questenberg – ist zwar als Sieger in Rom (das für Wien steht) festlich eingezogen, wurde aber dort bald ein Opfer von „Verfolgungen des Neides“ und der „Unbeständigkeit des Glücks“.31 Das – zusammen mit der Verderbtheit Roms
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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur 1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
Titel
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
Untertitel
1618–1918
Herausgeber
Werner Telesko
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20507-4
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
448
Kategorien
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