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Sektion IV: Zeremonielle Räume und die „Öffentlichkeiten“ 303
unter Umständen damit auch Staat und Dynastie – in der Öffentlichkeit präsentierten.
Diese Personalunion zwischen Amt bzw. Staat und Person, nicht selten angereichert
mit paraliturgischer Symbolik bzw. verknüpft mit kirchlichen Zeremonien, kann auf-
grund der persönlichen Anwesenheit des Herrschers bzw. hoher Vertreter der Dynastie
wohl als die unmittelbarste Form von Herrscherrepräsentation gelten. Die persönliche
Repräsentation ist sicherlich auch die exklusivste Form, da durch die ‚Unteilbarkeit‘
der physischen Person zeitlich und örtlich limitiert und daher mit der Aura des ‚Beson-
deren‘ (auch noch nach dem politischen Ende der Monarchie 19186) umgeben.
Gerade an den unterschiedlichen Ausdrucksformen höfischer Repräsentation im
öffentlichen und halböffentlichen Raum ist deutlich zu sehen, dass zu unterschiedli-
chen Zeiten auch unterschiedliche Strategien der Stellvertretung von Herrscher, Amt
und Dynastie verfolgt wurden. War im mittelalterlichen Wanderkönigtum die per-
sönliche Präsenz von großer Bedeutung, wurden seit dem Beginn der Frühneuzeit
sukzessive Strategien symbolischer Kommunikation entwickelt, sodass zunehmend
diese Symbole als Stellvertreter und Repräsentanten eingesetzt und persönliche phy-
sische Anwesenheit des Herrschers durch sie substituiert werden konnte: bildliche
Symbole und Farben ebenso wie akustische Signale oder verbale Leitbegriffe (ein-
schließlich der Herrscherdevisen). Diese Symbolsprache zu verfeinern, die Begriffe
ebenso unantastbar zu machen wie den Herrscher selbst, war Aufgabe eines Stabs an
Hofkünstlern, die darin zu ebenso wichtigen Beratern wurden wie Feldherren und
Diplomaten. Auch wenn im Laufe des langen 18. Jahrhunderts die Hofkünste ihre
politisch-strategische Bedeutung allmählich einbüßten und sich Herrscher und Staat
zunehmend auf Beamte und Militär stützten, blieb der zwischen 1500 und 1750
entwickelte Kanon doch als Symbolsprache weiterhin bestehen und wurde – vielfach
unkritisch und ohne im Geringsten hinterfragt zu werden – auch in post-monarchi-
sche, republikanische Staatssymbolik übernommen.7
Ein Beispiel für die Stellvertreter-Repräsentation des Herrschers und seiner Macht
durch einen Hofkünstler bringt Thomas Hochradner in seinem Beitrag Spielball
der Repräsentation? Überlegungen zum musikalischen ‚Imperialstil‘ anhand der Kirch-
enmusik von Johann Joseph Fux. Der berühmte Hofkapellmeister Karls VI., Johann
Joseph Fux, der wie Prinz Eugen unter drei Kaisern diente, steht jedoch nicht persön-
lich als Repräsentant im Mittelpunkt der Ausführungen, als vielmehr seine Werke,
die nicht nur für den Künstler stellvertretend gesehen werden, sondern auch für den
Hof und seine berühmte und hochstehende Musikpflege unter Karl VI. Kritisch
blickt Hochradner auf die Überlieferung in den großen österreichischen Stiften wie
im damals eigenständigen Reichsfürstentum Salzburg. Denn was auf den ersten Blick
als Nachahmung des Hofs, als Wille, auch etwas vom Glanz des Hofes abzubekom-
men, aussehen mag, belehrt auf den zweiten Blick eines Besseren und widerlegt wie-
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918