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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
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310 Sektion IV: Zeremonielle Räume und die „Öffentlichkeiten“ Im Weiteren lässt sich ein dem Opernkomponisten Fux ‒ der zu besonderen Anlässen stets selbst die Festoper lieferte12 ‒ vergleichbarer Repräsentationscharakter der Kir- chenmusik anhand des sogenannten Kaiserrequiems (K 51–53) überlegen (Abb. 1). Dieses Requiem komponierte Fux anlässlich einer Totenmesse zu den Exequien für die Kaiserinwitwe Eleonore (der Witwe von Kaiser Leopold I.), die am 5. März 1720 in Wien begangen wurde. Aus den auf dem Umschlag des Stimmenmaterials (aus dem Bestand der Wiener Hofmusikkapelle) notierten Vermerken geht ferner hervor, dass das Werk zu- dem am 28. April 1729 zur Totenmesse für Leopold Joseph von Lothringen, den Vater des späteren Kaisers Franz I. Stephan, am 12. Juli 1736 für Prinz Eugen von Savoyen (fraglos ein Zeichen der besonderen Wertschätzung des Prinzen) und am 16. November 1740 für Kaiser Karl VI. erklang. Aber das Requiem wurde 1731, 1735, 1737 und 1739 auch zu Allerheiligen je zur Gänze zur Aufführung gebracht, es war also keineswegs dy- nastisch und auch nicht an Exequien gebunden. Ebenso wenig war seine geschlossene Wiedergabe verbindlich. 1736 wurde nur die Sequenz daraus musiziert, und auch am 10. Oktober 1741, zum Totengedächtnis für Kaiser Karl VI., beschränkte man sich auf die ersten beiden Sätze und ergänzte sie mit Vertonungen von anderer Hand [!]. Die letzte auf dem Umschlag notierte, offenbar ebenfalls nicht komplette Aufführung fand aus noch ungeklärtem Anlass am 13. August 1743 statt – ein Signal der Beiläufigkeit, der nahen Vergänglichkeit des kirchenmusikalischen Œuvres von Fux. Sofern nicht der allgemein in der ‚Sattelzeit‘ um 1750 veränderte Geschmack für seine Aussonderung sorgte, versuchte man gelegentlich eine Adaptierung. Johann Se- bastian Bachs Nachfolger als Thomaskantor, Johann Gottlieb Harrer (1703‒1755), verlieh einigen Fuxschen Messvertonungen (K 32, E 14, E 15) „colla maggior parte d’accompagnamenta di Harrer“ ein zeitgemäßes Gesicht13, in einer Quelle zu Fux’ Missa Corporis Christi (K 10) aus Schloss Náměšt in Mähren wurden die Stimmen für Cornetto und Oboe durch Flöte und Klarinette ersetzt.14 Doch die meisten kirchen- musikalischen Werke von Fux wurden archivalisches Staugut. Eine gewisse Kurzle- bigkeit unterläuft somit die Idee eines weitläufig wirksamen musikalischen ‚Imperial- stils‘. Im folgenden, längeren Zitat schließt Friedrich Wilhelm Riedel diesbezüglich: „Fragt man resümierend in Analogie zur Entwicklung der bildenden Künste nach einem ‚Kaiserstil‘ bei der während der Regierungszeit Karls VI. komponierten Musik, so kann dies für die theatralische Musik, also Dramme per musica, Favole pastorale, Feste musicale, Azione teatrale, Componimenti per musica, aber auch für Oratorium und Applausus bejaht werden. Hier war die Beziehung zur Ideen- welt des ‚cäsarisch-imperialen‘ Stils bereits durch den Text vorgegeben, musika- lisch-rhetorische Figuren, Affektfiguren und die Da-capo-Form waren die besten Mittel zur Verdeutlichung von Inhalt und Ausdrucksgehalt der Werke.
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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur 1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
Titel
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
Untertitel
1618–1918
Herausgeber
Werner Telesko
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20507-4
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
448
Kategorien
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