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Robin Schmidt
Post-digitaleBildung
1–Was heißt post-digital?
„Like air and drinking water, being digital will be noticed only by its
absence, not its presence.“ (Negroponte 1998). Dass Nicholas Negro-
pontemit seinerPrognoseausTheWiredvorzwanzig Jahrenrechthatte,
bemerkeichschmerzhaftgenauindiesemMoment:aufdieserBahnfahrt,
wodasWLANmalwiedernichtfunktioniertunddasSmartphonegefühlt
stundenlangnurEDGE-Netzhat, ichselbstverständlichweiter inmeinen
LaptopdiesenText tippe,währenddie digitaleBahnlogistik vermutlich
gerade diewegen derVerspätung noch zu erreichendenAnschlüsse am
nächstenBahnhof kalkuliert.
Diese gefühlte Selbstverständlichkeit desDigitalen, dienurnochbei
Abwesenheit und Fehlfunktionen bemerkt wird, scheint Lebensgefühl
geworden zu sein. Jedenfalls bestätigen Jugend- und Sozialstudien der
letzten Jahre: für Jugendliche und junge Erwachsene der hochindu-
strialisiertenGesellschaften istheuteonlineeindauernder,diffuser,nicht
eigens reflektierterZustandgeworden,währendumgekehrtoffline-Sein
zurEntscheidunggewordenist. InneuerenStudienwirdhierdaherauch
nicht mehr die Online-Zeit, sondern nur noch die Offline-Zeit ver-
messen.Diese Jugendlicheund jungeErwachseneerwarten imHinblick
aufDigitalisierungkeineÜberraschungenmehr.Siegehenmehrheitlich
davon aus, dass alles ,irgendwie so weiter geht‘ und da ohnehin alle
durchgehend irgendwie online sind, fällt es ihnen schwer, sich eine
Steigerungslogik auszumalen (Bos et al. 2016,mpfs 2016,Calmbach et
al. 2016). Die binären Unterscheidungen wie digital/analog, online/
offline, medial/nicht-medial, die den digitalenWandel in seinemEnt-
stehen verständlich gemacht haben, erscheinen unter solchen Voraus-
setzungen weder kategorial (wie z.B. Cramer 2014 nahelegt), noch
empirisch (z.B. DIVSI 2014: 64ff) weiter haltbar. Es handelt sich um
„BlurringBoundaries“ (Genner 2017, 45ff).Mit Baudrillard kannman
dann sagen, dass das Digitale eigentlich schonwieder dabei ist zu ver-
schwinden (Baudrillard 2012).
Der Zustand einer Gesellschaft, in dem der Unterschied zwischen
digital und analog sich auflöst oder redundant wird, weil das einstmals
Open Access. © 2020 Robin Schmidt, publiziert von De Gruyter. Dieses Werk ist
lizenziert unter der Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 Lizenz.
https://doi.org/10.1515/9783110673265-005
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Titel
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Untertitel
- Einwürfe und Provokationen
- Autoren
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Herausgeber
- Bert te Wildt
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Oldenburg
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 206
- Schlagwörter
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Kategorie
- Technik