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Lernen zu einer nachhaltig wirksamen Erfahrung machen. Abstrakter
gesagt geht es umdie sozialen Prozesse 1. derHerstellung von geteilter
Aufmerksamkeit, 2. dem aktiven Engagement in das Lernen, 3. der
Rückmeldung über Gelingen und Fehler und 4. der Verfestigung des
Gelernten (Dehaene 2018). Auf jeder dieser Ebenen können digitale
WerkzeugedasLernenunterstützen.AufmerksamkeitbrauchtWachheit,
Orientierung und exekutiveKontrolle, die als digitales Lernen nur ge-
lingt,wenneseinenherausforderndenLerngegenstandzeitlich fokussiert
umkreist,AblenkungdurchanderedigitaleMöglichkeitenminimiertwie
etwa die Apps von Teach on Mars und spielerische Erprobungen des
Lerngegenstandesermöglichen.DasGelernteanzuwendenunddasnicht
nur lebensnah, sondern auch in fiktivenUmwelten, brauchtÜbungen
unddannauchdieUnterstützungdurchgeübtereLehrende,wieesviele
MOOCsheute schon anbieten.Weil Fehler zumLernendazugehören,
denn Lernen beruht auf Annahmen und Vermutungen, braucht das
Lernen einen Umgang mit Fehlern, der nicht entmutigt, etwa durch
Personalisierung des Lernfortschritts, durchBelohnungen nicht nur der
richtigenAntworten, sondern auchdesherausforderndenDabeibleibens
imLernenunddes beharrlich, verbesserndenUmgangmit Fehlern.Die
Punktesysteme sinddanur ein, freilich schongängigerWeg,dasLernen
ganz einfach zu belohnen. Schließlich ist die Festigung des Gelernten
durchWiederholung desGelernten inÜbungsrunden, durch die regel-
mäßige Wiederholung älteren Stoffs, durch projektspezifische Aufga-
benstellungen, die eineWerkstrasse vonWissen brauchen, um gelöst
werdenzukönnenunddiegestufteWiederholungderThemen,diedem
jeweils Lernenden bis dahin noch zu schwerwaren, notwendig, damit
Lernen auch unter digitalen Bedingungen gelingt (Willcox, Sarma &
Lippel 2016). Digitales Lernen muss also für die Lernenden wie Leh-
rendenbesonders gut sichtbar sein.
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Das digitale Lernen ist ein Lernen im Netz und die ganze Welt ein
Klassenzimmer. Es braucht nicht zwingendUniversitäten und Studien-
gänge. Idealisiert könnte jeder von den Besten der Welt lernen. An
diesem Ideal eines weitgehend selbstgesteuerten Lernens will Sebastian
Thrunmit gutenGründen das digitale Lernenmessen. Tatsächlich er-
reichterdamitzuerstdieKlugen.DieDigitalisierungmachtauchhierdie
eherPrivilegierten schlauer, diewissen, beiwemsie imNetz ambesten
GerhardLauer84
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Titel
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Untertitel
- Einwürfe und Provokationen
- Autoren
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Herausgeber
- Bert te Wildt
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Oldenburg
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 206
- Schlagwörter
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Kategorie
- Technik