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MarinaWeisband
WieVeränderung gelingt
Bei derDießenerKlausurwurde deutlich,was auf vielen solchenVer-
anstaltungen deutlich wird: Wenn wir über „Digitalisierung von X“
sprechen,sprechenwireigentlichüberXansich.DasistbeimThemader
digitalenHochschule nicht anders. DenDigitalisierungsprozess zu hin-
terfragen bedeutet gleichsam, die Institution zuhinterfragen. IhreZeit-
gemäßheit, ihre Gerechtigkeit, ihre Effektivität, ihre Effizienz, ihre
Durchlässigkeit. DieDigitalisierung ist in diesem Sinne eine einmalige
Gelegenheit, viele InstitutionenunsererGesellschaftmit einem frischen
Blickzubetrachtenundzuverändern.Denndas erfordert derUmbruch
von der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft: beinahe alle
Institutionenmüssensichändern.DieserTextbefasst sichalsodamit,wie
VeränderungeinerBildungsinstitutiongelingenkann.Docheigentlichist
die Problemlage für allemöglichenArten vonVeränderung ähnlich.
Dennwas derDigitalisierung imBildungsbereich imWeg steht, ist
nichtdasGeld.Es ist auchnicht eine strikteAblehnungdesDigitalen an
sich als Teufelszeug, obwohl das von einzelnen Akteurinnen und Ak-
teurenimmerwiederkommt.EsisteherdieNaturderDigitalität,diemit
demWesenderInstitutioninKonflikttritt.Schauenwirunsalsoineinem
ersten Schritt dieNatur derDigitalität kurz an.
In einerWelt, in der jede Information jedemMenschen praktisch
ohneHürden zugänglich ist, verlieren Bildungsinstitutionen ihre Tor-
wächterfunktion in Bezug auf Information. Wissen wird dezentraler
verteilt.EsgibtalsokeinesozentralenDeutungshoheitenmehr,wienoch
im letzten Jahrhundert.Während es deutlich leichter ist,Menschen zu
erreichen,istesdeutlichschwerer,alleMenschenzuerreichen.Durchdas
Leben ineinerdigitalisiertenWeltwächstdieAutonomiederEinzelnen.
Diese autonomerenEinzelnen stellen nun also anBildungsinstitutionen
denAnspruch,demokratischer zu sein,beeinflussbarerund individueller
zugeschnitten auf die eigenenBedürfnisse.Die dezentralen Lernstände,
Interessensgebiete und Ziele der Ausbildung bedeuten dabei bisweilen
aucheineRollenumkehr; in speziellenTeilgebieten sinddieLernenden
größereExpertinnenoderExpertenals dieLehrenden.Kommunikation
verändert sich ebenfalls. Sie wird weniger formell, häufiger, niedrig-
schwelliger, unfertiger.
Open Access. © 2020 Marina Weisband, publiziert von De Gruyter. Dieses Werk ist
lizenziert unter der Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 Lizenz.
https://doi.org/10.1515/9783110673265-009
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Titel
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Untertitel
- Einwürfe und Provokationen
- Autoren
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Herausgeber
- Bert te Wildt
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Oldenburg
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 206
- Schlagwörter
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Kategorie
- Technik