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jektivierung bizarre Auswüchse, wobei sich auch hier längst ökonomi-
sche Interessen von Wissenschaftsverlagen als Motoren von Fehlent-
wicklungen andienen. Wie in der Wirtschaft setzt sich längst in der
Wissenschaft nichtmehr notwendigerweise das Sinnvolle undBedeut-
samedurch,sonderndaswasPunkteund/oderGeldbringt.Vielzuwenig
wirddabeialsodasNormativebedacht,welchesdiedigitaleMetrisierung
derWeltmit sich bringt.
WissenschaftundLehregehenmehrdenn jeunabhängigeWege.So
wiedieForschungimmermehrindividuellenInteressenderForschenden
undder(potentiellen)Firmengründerinnenund-gründerdient, sosollen
StudiengängeheutevorallemaufdieArbeitvorbereiten.Fragen,dieden
Ernst des Lebens jenseits der individuellen Erwerbstätigkeit und damit
auch kollektive Fragen beispielsweise zu Gesellschaft und Politik be-
treffen, siewerdenkaumnoch in denUniversitäten gestellt.
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DieGeisteswissenschaftenm!ssen gest"rkt werden.Es bedarf nebendenNa-
turwissenschaften, zu denen letztlich auch die Informatik gehört, drin-
gend einer neuerlichen Stärkung der Geisteswissenschaften. Viele
Gründe können für den Eindruck geltend gemacht werden, dass die
Geisteswissenschaften in derHochschullandschaft um ihre Existenzbe-
rechtigung ringen müssen. Die beschriebene Metrisierung und Öko-
nomisierung derHochschulen dürften nur einenTeil der Entwicklung
erklären. In diesemZusammenhang kannman auch an den vermeintli-
chenNiedergang des Sozialismus und den vermeintlichen Sieg desKa-
pitalismusdenken,dernichtnurdenNeoliberalismusandieHochschulen
getragen hat, sondern den Universitäten auch etwas an Diskursivität
genommen hat. Die Beantwortung der entscheidenden Fragen der
Menschheit lässt sich vielleicht nicht mit Zahlen oder Geld erledigen.
Diesgilt beispielsweise fürFragennachdemWesendesMenschen,nach
denRegeln derZwischenmenschlichkeit imKleinen undGroßen, dies
gilt ebenso für viele ethische und ästhetische Fragen, letztlich philoso-
phische Fragen. Jenseits des Zählbaren werden gerade die Geisteswis-
senschaften dazu in der Lage sein, Fragen zu stellen undAntworten zu
suchen,welcheWerteundNormendiedigitaleRevolutionüberdauern,
umnicht zu sagen, überlebenwerden.
Bert
teWildt112
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Titel
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Untertitel
- Einwürfe und Provokationen
- Autoren
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Herausgeber
- Bert te Wildt
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Oldenburg
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 206
- Schlagwörter
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Kategorie
- Technik