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JulianeBesters-Dilger
DasEndederUniversität alsOrt der Lehre?
Als Praktikerinmöchte ich beginnenmit den Ergebnissen einer reprä-
sentativenUmfrage unter Studierenden undLehrenden derUniversität
Freiburg, die ich vor zwei Jahren zumThema ,Digitale Lehre‘ durch-
geführt habe: Studierende wünschen sich zu 80 Prozent mehr multi-
mediale Lehrinhalte, unter anderemmehr Vorlesungsaufzeichnungen,
mehr Videos, mehr Testmöglichkeiten zur Überprüfung des eigenen
Lernfortschritts. Sie sprechen sich aber auch mit deutlicher Mehrheit
gegen einenErsatz der Präsenzlehre durch digitale Lehre aus; sie sehen
Probleme bezüglich ausreichenderMotivation, fehlender Lerndisziplin
sowie die verstärkte Gefahr der Prokrastination (die sowieso eines der
großen studentischen Probleme ist). Lehrende würden zu 80 Prozent
gernmehr digitale Lehre anbieten– ein erstaunlichesErgebnis –, geben
aber an, dies nur bei erhöhtemRessourceneinsatz tun zu können: Sie
brauchen vor allem Zeit zur Entwicklung digitaler Formate, bessere
technischeAusstattungundUnterstützung,bessereBeratung.Auffallend
ist die starkeDifferenzierungnachFachkultur: dieTechnischeFakultät,
dieFakultäten fürBiologieundMedizin,die sowiesoschonführendsind
imEinsatzdigitalerLehre (einschließlichVirtualReality),würdengerne
mehr tun, andere Fakultäten zeigen kaumBedarf.Wie lässt sich dieses
Ergebnis in eine Strategie derDigitalisierung der Lehre integrieren?
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Pr"senzlehre bleibt ein fundamentales Bed!rfnis der Studierenden, vor allem in
denAnfangssemestern. In dieser Phase ist digitale Lehre daherErgänzung,
nicht Ersatz der Präsenzlehre. Bei doppeltemAngebot der Lehrveran-
staltung (einmal Präsenzlehre, einmal z.B. Videoaufzeichnung) steht es
denStudierendenfrei,obsieanbeidenteilnehmenodervielleichtnuran
derdigitalenLehrveranstaltung;alleUntersuchungen(universitätsinterne
Befragungen; Schulmeister&Metzger 2018 usw.) zeigen aber, dass die
Prüfungsergebnisse bei Nicht-Präsenz deutlich schlechter sind. Die
bestenErgebnisse erzielen Studierende, diewährend derVorlesung an-
wesend sindund zusätzlich die digitale Lehre zur Prüfungsvorbereitung
nutzen.
Open Access. © 2020 Juliane Besters-Dilger, publiziert von De Gruyter. Dieses Werk
ist lizenziert unter der Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 Lizenz.
https://doi.org/10.1515/9783110673265-013
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Titel
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Untertitel
- Einwürfe und Provokationen
- Autoren
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Herausgeber
- Bert te Wildt
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Oldenburg
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 206
- Schlagwörter
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Kategorie
- Technik