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In der Schweiz jedenfalls findet man auf dem Arbeitsmarkt kaum
Evidenz für eine digitale Revolution: Die Erwerbslosenquote bleibt
niedrig, Telearbeit stagniert bei rund fünf Prozent (mal abgesehen von
Ausnahmesituationenwie der Corona-Krise) und dieQuote der Selb-
ständigen bei knapp acht Prozent.Wirtschaftshistorische Analysen zei-
gen: Seit Beginn der Industrialisierung hat jede Automatisierungswelle
jeweils eine neueNachfrage fürArbeit geschaffen, zu höherer Produk-
tivität und höheren Löhnen geführt. DerMIT-Forscher David Autor
fragt in seiner brillanten Analyse zur Geschichte der Automatisierung:
„Why are there still somany jobs?“
DieBildungsbranche sollte sichvonderDämonisierungvonKIund
demSchreckgespenstJob-Verlust lossagen.Jobskommenundgehen.Das
ist nichtsNeues.Waswir aus der Industriegeschichte aber auchwissen:
Die Polarisierung der Einkommen nimmtmit zunehmender Techno-
logisierung zu.Daher solltenwiruns eherumsteigendeUngleichheiten
kümmernalsdarum,dassunserBildungssystemnichtsmehrtauge,weiles
ohnehinkeine Jobsmehrgebenwerde, daMaschinenalles übernehmen
werden.
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Das Trio Volksschule, Berufsbildung und lebenslanges Lernen muss es richten.
Eine gut ausgestatteteVolksschule undWertschätzung für denLehr-
beruf habeneinenzentralenStellenwert,umUngleichheitenentgegenzu-
wirken. InLändern,woPrivilegierte ihreKinder inPrivatschulensenden,
sinddie sozialenUngleichheiten letztlich langfristig größer.
Das Schweizer Berufsbildungssystem ist im digitalen Zeitalter in
vielerHinsichtwertvoll: Studienzeigen,dasswichtigemethodischeund
sozialeKompetenzen ineinerBerufslehrebesser erlerntwerdenkönnen
als in einemklassischenSchulsetting. Inder Schweiz – imGegensatz zu
vielen anderen Ländern – erfahren die Berufslehre und die Entwick-
lungsmöglichkeiten, die sich daraus ergeben, auch gesellschaftliche und
finanzielle Anerkennung.Das verhindert nicht zuletzt Jugendarbeitslo-
sigkeit und überfüllte Universitäten. Das Schweizer Bildungssystem
verfügt über eine hoheDurchlässigkeit:Man kann auch über eine Be-
rufslehre einen akademischenWeg einschlagen. In Bezug auf digitale
Kompetenzen ist das Berufsbildungssystem gut gerüstet: die berufsspe-
zifischenKompetenzenwerden,onthejob‘erlernt.Diesesindjeweilsauf
SarahGenner146
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Titel
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Untertitel
- Einwürfe und Provokationen
- Autoren
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Herausgeber
- Bert te Wildt
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Oldenburg
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 206
- Schlagwörter
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Kategorie
- Technik