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Bequemerwerden ist nur eine Frage der technischen Entwicklung. In
dieserMixedReality sind Informationenüberdiedort zu sehendeWelt
in dieObjekte eingewoben.Wirmüssen Informationennichtmehr auf
einemComputerbildschirmabrufen.Es istdasWeltwissenoderebendie
Auswahl der Gestalter omnipräsent, inhärent den Gegenständen der
immersiven digitalen. Wissen begegnet den Nutzenden, Akteursbe-
wusstseinwirdradikal inFragegestellt.DieRealitätderNutzerinnenund
Nutzerwirdbuchstäblicherweitert.Obdie Informationenkorrekt sind,
welche Perspektiven sie enthalten, wer die Autorinnen oder Autoren
sind, ist für User nur schwer zu verstehen, ganz anders als bei einem
herkömmlichen Lehrbuch.MixedReality enthält auch potenziell un-
überschaubareElemente der virtuellenRealität.DieAnnahmeeiner für
die menschliche Erfahrung konstitutiven Übereinstimmung der tat-
sächlichenObjekte inderWeltwirdabgeschafft.Korrespondenzbesteht
nur zu denObjekten innerhalb dieserVirtualität, für die uns dieErfah-
rungderBeständigkeit fehlt.WennmansichjetztdieAugmentedmitder
virtuellenRealität ergänzt vorstellt, dann betrachtetman diese harmlos
klingendenMischrealitäten hier in diesemText noch von aussen. Tat-
sächlich überschreibtMixedReality jedoch alle epistemischenGewiss-
heiten der bisherigen akademischen Schulweisheit. Wo sind die neue
Hermeneutik undOntologie der gemischtenWelten?
Granulation viaAlgorithmisierung
DieWelt,wiewir siekennen, ist auf Standardgetrimmt(sehreingängig:
Gehlen 2017). Die Geschichte der Moderne ist eine Geschichte der
Standardisierung derWelt.DieEntwicklung dermodernenUniversität
in Europa im 19. Jahrhundert und auch die tertiäre Bildungsexpansion
vor 50 Jahren selbst sind Instrumente der Standardisierung.DieseNor-
men haben die Industrie ermöglicht, Bildung für alle, Tourismus,
Fernsehenusw.,aberdiesesSystemhatauchvieleNachteile,dennespasst
nie ganz zuuns,was fürunsquaNormzugedacht ist,manchmalpasst es
auch gar nicht. Auch hier führt die digitale Transformation zu einer
Umkehrung aller Gewohnheiten, paradoxerweise durch die Radikali-
sierung der Standardisierung von Informationssignalen ins Binäre. Dies
und die Speicherrevolution ermöglichen es, enormeDatenmengen al-
gorithmisch zu verarbeiten und verfügbar zu halten, die es dann er-
möglichenundsinnvollmachen,dieAngebotezugranulieren,d.h.sieim
Detail an die Bedürfnisse des Einzelnen anzupassen. Das ist etwas, was
Quoante 187
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Titel
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Untertitel
- Einwürfe und Provokationen
- Autoren
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Herausgeber
- Bert te Wildt
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Oldenburg
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 206
- Schlagwörter
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Kategorie
- Technik