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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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182 | Dinge – Nutzer – Netze ihm geschaffenen Virtualitäten geht keine Aktualität voraus, an deren Beschaffenheit er gebunden wäre − er kann also ermöglichen, was er will, solange es sich algorith- misch ausdrücken lässt. Zum anderen diagnostiziert Münker in den Interfaces digitaler Medien einen schnelleren und sichtbareren Übergang zwischen Virtualität und Aktualität, der sich auf das »utopische« Moment virtueller Räume gründet (ebd.: 126). Dabei meint er »Utopie« wortwörtlich: Virtuelle Orte und Raumgefüge sind ›U-Topoi‹ im Sinne von ›Nicht-Orten‹, die zwar im kulturellen Sinne durchaus ›real‹ sind, aber eben kein per- manentes Substrat besitzen. Vielmehr müssen sie diskursiv und aktiv ›beschworen‹ werden und haben Bestand nur durch jene Handlungen und Kommunikationen, deren Rahmen sie bilden. Vor diesem Hintergrund ist der Cyberspace für Münker schlicht die sinnfälligste denkbare Ausprägung von virtueller Realität: Er ist die auf ein tech- nisches Fundament gestellte Möglichkeit des Entstehens und der Veränderung kultu- reller Sachverhalte vermittels einer Schnittstelle, die visuell funktioniert und daher mit der physikalischen Erfahrungswelt sichtbar verbunden ist (vgl. ebd.). Dabei erle- ben wir das Erscheinen, Verschwinden und Einander-Ablösen von Tatsächlichkeiten hier in sehr viel rapiderer Abfolge, als dies in der physikalischen Realität möglich wäre. 3.3.7 Räumlichkeit und Raumlosigkeit virtueller Museen Insofern ist es vielleicht nur folgerichtig, dass derzeit nur wenige als ›virtuelle Mu- seen‹ auftretende Web-Angebote sich tatsächlich einer Computergrafik bedienen, welche die Räumlichkeit unserer körperlichen Erfahrungswelt nachzubilden im- stande wäre. Stattdessen begegnen uns die meisten solcher Internetauftritte unver- blümt als eben solche, nämlich als gewöhnliche hypertextuell verlinkte Webseiten, deren gemeinsame Beschaffenheit als virtuelles Museum ausgewiesen ist durch ihr Abrufbar-Sein unter einer gemeinsamen Domain, die mit den technischen Auszeich- nungen http://www. beginnt und mit einem Länderkürzel endet, sowie eine die ›ei- gentlichen‹ Wissensinhalte begleitende Dokumentation der dem Hypertextgefüge zu- grundeliegenden Autorschaft (wie sie sich z.B. in Front- und Impressumsseiten aus- drückt, aber auch im die einzelnen Webseiten ästhetisch verbindenden Webdesign). Dies hat sicher zunächst ökonomische Gründe: Sollen Computerbilder heutzutage routinierte Nutzer noch beeindrucken, so müssen sie sich an den bereits auf unseren Bildschirmen präsenten Bilderwelten messen lassen. In einer Zeit, in der Computer- spiele nicht selten mit den Budgets von Hollywoodfilmen produziert werden und ihre Formalismen über das hinaus weiterdenken, was augenblicklich zu beobachten ist und aus der zwingenden Logik der Mathematik heraus immer wieder akkurate Voraussagen über das Eintreten und Ausbleiben von Phänomenen machen.
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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